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Digitalisierung schafft Energieexzellenz

| Autor/ Redakteur: Claire Range / Ute Drescher

Digitalisierung und Industrie 4.0 machen Energieeffizienz für Industrieanwender noch einfacher und attraktiver. Es gilt, den Energieverbrauch nicht nur zu senken, sondern mit einem bedarfsgerechten Lastmanagement zu verbinden. Doch dafür sind die richtigen politischen Rahmenbedingungen nötig.

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Mit ihrer Kampagne „Deutschland macht‘s effizient.“ zeigt die Bundesregierung, dass sie der Energieeffizienz eine hohe Bedeutung beimisst.
Mit ihrer Kampagne „Deutschland macht‘s effizient.“ zeigt die Bundesregierung, dass sie der Energieeffizienz eine hohe Bedeutung beimisst.
(Bild: © elaborah - Fotolia.com)

In allen Szenarien zur Energiewende ist klar: Bezahlbar wird diese nur, wenn es gelingt, den Gesamtenergiebedarf bis 2050 zu halbieren. Denn jeder Kilometer Netz, jedes neue Kraftwerk, jegliche Speicher- oder Regelkapazität und jede importierte Kilowattstunde kostet wesentlich mehr Geld als die Vermeidung. Das ist jetzt in den Köpfen angekommen – und wird im Bundeswirtschaftsministerium in einer eigenen Abteilung nach und nach in politische Rahmenbedingungen gegossen. Nach dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz zeigt die Bundesregierung nun auch mit ihrer Kampagne „Deutschland macht’s effizient!“, dass sie der Energieeffizienz eine Bedeutung beimisst, die mit der Energieerzeugung vergleichbar ist.

Die technischen Lösungen zur Halbierung des Energieverbrauchs quer über alle Sektoren der Wirtschaft sind längst vorhanden. Und heimische Unternehmen sind im Bereich Energieeffizienz weltweit führend, allein im Jahr 2015 wurden mit Energieeffizienzlösungen in Deutschland 135 Milliarden Euro Umsatz generiert. Dies zeigte die Befragung zum Branchenmonitor Energieeffizienz 2016 der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) und der Wirtschafts- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC).

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Aber es kommt noch besser: Durch die Digitalisierung wird die Energieeffizienz – vor allem für Industrieanwender – noch einfacher, attraktiver und mehr noch zur Energieexzellenz. Mehr Produktivität bei geringeren Energiekosten, mehr Schutz vor Energiepreisschwankungen und gleichzeitig bessere Befriedigung von Kundenwünschen: Wer nur auf die Politik wartet, anstatt sein Energiemanagement selbst in die Hand zu nehmen, der wird abgehängt. Es ist also Zeit für die deutsche Wirtschaft, auf die Überholspur zu wechseln.

Und so kann das Manöver gelingen: Im ersten Gang gilt es erst einmal, den Energieverbrauch signifikant zu senken. Ein ganzheitliches Energiemanagementsystem mit klaren Energieperformance-Kennzahlen gehört zu diesem Zweck ins Cockpit jedes zukunftsfähigen Unternehmens. Alarm wird bei Energieverschwendung ausgelöst, grünes Licht gibt es für Effizienzinvestitionen mit internen Verzinsungen, die jede Geldanlage in den Schatten stellen können. Noch besser klappt das in Netzwerken, von denen es bis 2020 in Deutschland 500 geben soll: In jedem dieser Netzwerke tauschen sich acht bis 15 Unternehmen mit Unterstützung eines energietechnischen Beraters darüber aus, wie sie ihre Energieeffizienz steigern können. Das Prinzip funktioniert schon jetzt: Teilnehmer der 30 Pilotnetzwerke konnten ihren Energieverbrauch um durchschnittlich bis zu zehn Prozent in fünf Jahren senken.

Zweiter Gang: Den verbleibenden Energieverbrauch so weit wie möglich durch erneuerbare Energien und Kraft-Wärme-Kopplung decken – vorzugsweise vor Ort erzeugt, vor allem aber auf einen optimierten und nicht auf einen zu hohen Verbrauch ausgelegt. Wer das Pferd von hinten aufzäumt, riskiert teure Fehlinvestitionen in überdimensionierte Anlagen. Wem das zu komplex ist, der kann auf spezialisierte Energiedienstleister zurückgreifen, die die Software „as a service“ gleich mitbringen. Dritter Gang: Energieverbrauch, Einkauf und Eigenerzeugung integrieren. Hier wird es knifflig, denn während der Energiebedarf der Produktion weitgehend planbar ist, sind die Handelspreise zunehmend volatil, ebenso die wirtschaftliche Eigenerzeugung oder Netzeinspeisung.

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