Technik kurz erklärt Die Entwicklung des Dosenöffners

Von Ute Drescher

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir Meisterwerke der Konstruktion und besondere Entwicklungen vor. Heute: der Dosenöffner.

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Der wohl am weitesten verbreitete Dosenöffner arbeitet mit einem Schneidrad, das den Deckel der Dose am Innenrand abtrennt.
Der wohl am weitesten verbreitete Dosenöffner arbeitet mit einem Schneidrad, das den Deckel der Dose am Innenrand abtrennt.
(Bild: AdobeStock_94497389)

Es gibt wohl nur wenige Haushalte, in denen nicht ein Dosenöffner in irgendeiner Schublade schlummert. Und doch scheint er immer dann unauffindbar, wird er einmal benötigt. Das kommt auch immer seltener vor, seit viele Dosen heute so konstruiert sind, dass sie sich mit einer Lasche am Deckel ohne weiteres Werkzeug öffnen lassen.

Das war längst nicht immer so. Die Entwicklung des Dosenöffners ist eng verknüpft mit der Suche nach einer Möglichkeit, Lebensmittel zu konservieren, die 1795 Napoleon losgetreten haben soll, um seine Soldaten vom Plündern abzuhalten. Zunächst wurden Glasflaschen und -behälter dafür verwendet, bis der Händler Peter Durand 1810 die Konservendose erfand. Um diese damals noch sehr dickwandigen Blechdosen zu öffnen, setzten die Soldaten allerlei schweres Werkzeug ein. Mit Hammer, Meißel, Äxten oder dem Bajonett rückten sie den robusten Blechverpackungen zu Leibe.

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Aus unzähligen Löchern entsteht ein Riss

Erst Jahrzehnte später erfand der britische Erfinder und Hersteller von Besteck und chirurgischen Werkzeugen Robert Yeates den Dosenöffner, patentiert 1858. Ein Haken stützt den Öffner am Dosenrand ab und sorgt so für Stabilität. Gleichzeitig wandert ein zweiter, scharfer Haken einmal um die Dose herum. So entsteht aus unzähligen Löchern ein Riss, der den Dosendeckel vom Dosenkörper trennt.

Der Dosenöffner mit Schneidrad setzte sich auch deswegen durch, weil die Dosenbleche immer dünnwandiger wurden.

Macht diese Erfindung es auch den Personen möglich, die gerade keine Axt zur Hand haben, die Dose zu öffnen, so erfordert sie doch immer noch einiges an Kraft und Geschick. Ein US-Amerikaner schuf Abhilfe: 1870 erfand William Lyman den bis heute verwendeten Dosenöffner mit Schneidrad. Er setzte sich auch deswegen durch, weil die Dosen im Laufe der Jahre immer dünnwandiger wurden.

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Räder oder Dorne schneiden das Blech auf

Dosenöffner mit Schneidrad haben einen Hebelgriff oder Zangengriffe, die ein gezähntes Transportrad gegen den überstehenden Dosenrand pressen. Der Hebel oder ein zusätzlicher Drehmechanismus führt das Schneidwerkzeug am Innenrand oder außen am Falz des Dosendeckels entlang. Schneid- oder Trennwerkzeug sind Schneiddorne oder Schneidräder. Unterschieden werden die beiden folgenden Arten:

  • Dosenöffner, die den Deckel am Innenrand des Falzes aufschneiden.
  • Dosenöffner, auch Kanten- oder Sicherheitsdosenöffner, die den Deckel außen am Falz von der Dose abtrennen.

Die erstgenannten Dosenöffnern beherrschten den Markt über viele Jahrzehnte. Sie sind zangenförmig gestaltet. Das Schneidrad durchtrennt die Dose innerhalb des umlaufenden Randes, während sich das Treibrad auf der Dosenaußenkante abstützt. Treibrad und Schneidrad sind bei diesen Ausführungen meist über ineinandergreifende Zahnräder miteinander gekoppelt. Beim Öffnen entsteht eine scharfe Kannte, die leicht zu Verletzungen führt. Wieder verschließen lässt sich die Dose nur, trennt man den Deckel nicht vollständig ab. Allerdings reichen oft wenige Bugbewegungen und man hält den Deckel doch abgetrennt in der Hand. Weitere Nachteile: Diese Dosenöffner tauchen ihre Schneide in das Innere der Dose und kommen so mit dem Doseninhalt in Berührung. Außerdem besteht die Gefahr, dass der Deckel beim Öffnen in die Dose fällt.

Kantenschneider setzen außen an

Die sogenannten Kanten- oder Sicherheitsdosenöffner sind mechanisch komplexer als übliche Dosenöffner. Sie arbeiten mit einem Schneidrad, das auf der Dosenaußenkante den Rand durchtrennt, während das Treibrad auf der Innenseite und auf dem oberen Bereich des Randes entlang läuft. Ein Auflageelement hält die Dose in einer vorgegebenen Winkellage zum Dosenöffner. Unterscheiden lassen sich prinzipiell zwei Grundtypen: solche mit zwei Griffen sowie die mit nur einem; die Ein-Griff-Version hat sich vermehrt auf dem Markt durchgesetzt.

Diese sogenannten Kantenschneider oder Sicherheitsdosenöffner haben den Vorteil, dass der Deckel nicht in die Dose fallen kann und sich außerdem wieder aufsetzen lässt. Darüber hinaus entstehen dabei weder an der Dose noch am Deckel scharfe Grate. Und: Das Schneidrad dringt nicht in den Doseninhalt ein und kann ihn so auch nicht verunreinigen.

Quellen:

Google Patente

FAZ: Blech gehabt

Welt: Die Geburt eines martialisch aussehenden Gerätes

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