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Technik kurz erklärt Die Entwicklung der Schreibmaschine

| Autor: M.A. Bernhard Richter

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir jede Woche ein Meisterwerk der Konstruktion vor. Heute: Die Schreibmaschine

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Eine Scholes&Glidden Schreibmaschine - auch bekannt als Remington No.1 aus dem Jahr 1874.
Eine Scholes&Glidden Schreibmaschine - auch bekannt als Remington No.1 aus dem Jahr 1874.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Obwohl viele moderne Schreibmaschinen designtechnisch ähnlich sind, war ihre Erfindung stufenweise und wurde von zahlreichen Erfindern und Konstrukteuren, die unabhängig voneinander oder im Wettbewerb miteinander arbeiteten, über eine Reihe von Jahrzehnten hinweg entwickelt.

Wie beim Automobil, dem Telefon und dem Telegrafen trug eine Reihe von Personen zu Erkenntnissen und Erfindungen bei, die schließlich zu immer kommerziell erfolgreicheren Machinen führten. Historiker schätzen, dass irgendeine Form der Schreibmaschine 52 Mal erfunden wurde, bevor ein brauchbares Design herauskam.

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Immer schneller schreiben

Mitte des 19. Jahrhunderts machte das zunehmende Tempo der geschäftlichen Kommunikation die Notwendigkeit der Mechanisierung des Schreibprozesses nötig. Stenographen und Telegrafisten konnten Informationen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 130 Wörtern pro Minute aufnehmen, während ein Schreiber mit einem Stift auf maximal 30 Wörter pro Minute beschränkt war.

Die erste kommerziell erfolgreiche Schreibmaschine wurde 1868 in der Vereinigten Staaten patentiert. Sie sah aus "wie eine Kreuzung zwischen einem Klavier und einem Küchentisch", beschrieb einer der Erfinder das Gerät. Das Patent wurde für 12.000 $ (in heutiger Währung etwa rund 220.000 $) an die Firma Remington verkauft, die damals noch Nähmaschinen herstellte.

Dies war der Ursprung des Begriffs "Schreibmaschine". Remington begann die Produktion seiner ersten Schreibmaschine am 1. März 1873 in Ilion, New York. Sie verfügte über eine QWERTY-Tastatur, die aufgrund des Erfolgs der Maschine langsam auch von anderen Schreibmaschinenherstellern übernommen wurde.

Endlich sehen was man schreibt

Bei den meisten frühen Schreibmaschinen schlugen die Typen nach oben gegen das Papier und drückten gegen die Unterseite der Schreibwalze, so dass die Schreibkraft den Text nicht sehen konnte, während dieser getippt wurde. Was getippt wurde, wurde erst sichtbar, wenn der Wagenrücklauf den Blick auf das Papier freigab. Die Schwierigkeit bei jeder anderen Anordnung bestand darin, sicherzustellen, dass die Typen beim Loslassen der Taste zuverlässig wieder an ihren Platz zurückfielen. Dies wurde schließlich mit verschiedenen ausgeklügelten mechanischen Konstruktionen erreicht, bei denen die Schreibbalken nach vorne gegen die Vorderseite der Schreibwalze geschlagen wurde. Diese Technik wurde schon bald zum Standard.

Das letzte Aufbäumen

Gegen Ende der kommerziellen Popularität von Schreibmaschinen in den 1970er Jahren wurde eine Reihe von Hybridkonstruktionen eingeführt, die die Maschinen mit Eigenschaften von Nadeldruckern kombinierten. Diese enthielten oft Tastaturen von bestehenden Schreibmaschinenmodellen und Druckmechanismen von Nadeldruckern. Die Generation der Fernschreiber mit Druckwerken auf Basis von Nadeldruckern war für die hohe Druck-Qualität, die bei maschinengeschriebenen Texten normal war, nicht ausreichend.

Die letzte große Entwicklung der Schreibmaschine war die elektronische Schreibmaschine. Die meisten ersetzten die Typenarme oder die Typenkugel durch einen Scheiben-Mechanismus aus Kunststoff oder Metall bei dem die Buchstaben auf den äußeren Rand der Scheibe geformt waren.

Eine Zeit lang waren diese Produkte recht erfolgreich, da ihr Mechanismus viel einfacher und billiger war als die komplexe Technik der alten Maschinen. Außerdem konnte der Nutzer dank ihres elektronischen Speichers und Displays Fehler leicht erkennen und korrigieren, bevor sie tatsächlich gedruckt wurden.

Das letzte Aufbäumen der Schreibmaschine - um mit den aufkommenden PC mithalten zu können, wurden diverse Eigenschaften des PC in die Schreibmaschine inkorporiert.
Das letzte Aufbäumen der Schreibmaschine - um mit den aufkommenden PC mithalten zu können, wurden diverse Eigenschaften des PC in die Schreibmaschine inkorporiert.
(Bild: notsyncing.net)

Bei diesen und ähnlichen elektronischen Schreibmaschinen handelte es sich im Wesentlichen um einen Rechner der nur ein Textprogramm installiert hatte. Meist mit einzeiligen LCD-Bildschirmen oder mehrzeiligen CRT-Bildschirmen, einigen Kilobyte internem RAM und optionalen externen Speichergeräten mit Kassette, Magnetkarte oder Diskette zur Speicherung von Text- und sogar Dokumentformaten. Der Text könnte zeilen- oder absatzweise eingegeben und mit Hilfe der Anzeige bearbeitet werden, bevor er gedruckt wurde.

Die zunehmende Dominanz von Personalcomputern, Desktop-Publishing, die Einführung von kostengünstigen, hochwertigen Laser- und Tintenstrahldrucker-Technologien und die allgegenwärtige Nutzung von Internet, E-Mail und anderen elektronischen Kommunikationstechniken haben die Schreibmaschine seit Anfang der 2000er Jahre weitgehend ersetzt.

Allerdings haben bestimmte Subkulturen, darunter Steampunk und Hipster, das Interesse an der Schreibmaschine zum Teil wiedererweckt.

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Über den Autor

M.A. Bernhard Richter

M.A. Bernhard Richter

Redakteur Online/Print/Video, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht