Automatisierungsplattform Dezentral und ohne Schaltschrank automatisieren

Von Sariana Kunze

Murrelektronik stellt die neue Automatisierungsplattform Vario-X vor, die Sensorik und Aktorik schaltschranklos und dezentral ins Feld bringt. Ein digitaler Zwilling spart dabei Kosten bei Planung, Installation, Betrieb und Service.

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Vario-X ist eine modulare Automatisierungsplattform, mit der sich sämtliche Automatisierungsfunktionen dezentral realisieren lassen.
Vario-X ist eine modulare Automatisierungsplattform, mit der sich sämtliche Automatisierungsfunktionen dezentral realisieren lassen.
(Bild: Murrelektronik)

Der Anbieter von Installationstechnik Murrelektronik verzeichnet eine steigende Nachfrage bei Hubs und IO-Systemen. Auch das Thema Effizienz steht für das Unternehmen aus Oppenweiler im Fokus. Jürgen Zeltwanger, Geschäftsführer von Murrelektronik, untermauerte diese Ausrichtung mit Zahlen aus der Desina Studie der TU München: „Mit einer Betrachtung von Anlagen und Maschinen im System lassen sich gewaltige Einsparpotenziale heben. Bis zu 30 Prozent können bei den Installationskosten eingespart werden. Als zentrales Element kommt der schaltschranklose und dezentrale Installationstechnik immer mehr Bedeutung zu.“

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Um diesem Trend Rechnung zu tragen, stellt Murrelektronik eine neue Automatisierungsplattform mit dem Namen Vario-X vor. Es handelt sich dabei um eine modulare Plattform für eine dezentrale, schaltschranklose Automatisierung. Das System bestehend aus Steuerung, Stromversorgung, Switchen, Sicherheitstechnik, IO-Modulen und sorgt mit einer nahtlosen Integration von dezentralen Servoantrieben für ein zuverlässiges Spannungs-,Signal- und Datenmanagement direkt im Feld. „Damit können sämtliche Automatisierungsfunktionen erstmals komplett dezentral – ohne Schaltschrank realisiert werden“, verkündet Olaf Prein, Leiter Global Business Unit Automation bei Murrelektronik.

Hält schaltschranklos Trittbelastung stand

Das ist möglich, da bei der Vario-X-Maschine die Gehäuse in Schutzart IP65 nebeneinander in eine Backplane mit integrierten Maschinenbauprofilen eingerastet werden. Das System lässt sich an allen gängigen Profilsystemen befestigen und soll im Extremfall sogar eine Trittbelastung auf den Gehäusen standhalten. Die Verkabelung von Sensorik und Aktorik in der Maschine erfolgt mit vorkonfektionierten M12- und MQ15-Steckern.Klassische Installationsarbeiten wie Abisolieren, Setzen von Adern-Endhülsen und Anklemmen entfallen somit.

40 Prozent schnellere Installation

Herzstück der Plattform ist der Controller. Ausgestattet mit einer Multicore-CPU kann er in alle übergeordneten Industrial-Ethernet-Netzwerke eingebunden werden, versorgt das gesamte System mit Leben und ist als offene Steuerungsplattform auch nahtlos integrierbar, so der Hersteller. Der Controller kommuniziert innerhalb des Systems, aber auch mit der Antriebstechnik und externen Teilnehmern in Echtzeit über Ethercat. WLAN, 5G und Bluetooth sowie OPC UA und MQTT stellen die Kommunikation in der Fabrik der Zukunft sicher.

Reicht eine Station für die gesamte Maschinensteuerung nicht aus, können weitere Stationen etwa für eine zusätzliche Stromeinspeisung dezentral in der Maschine platziert und miteinander verbunden werden. Ebenso lassen sich einzelne IO-Module auch ganz ohne Backplane direkt an der Sensorik/Aktorik installieren, um Signale direkt dort einzusammeln. Das entschlackt die Maschinenanbauten und verschlankt die Kabelarchitektur. „Mit Vario-X gelingt die Inbetriebnahme, also sämtliche Installations- und Montagearbeiten, um 40 Prozent schneller als bei klassischen Schaltschrank-Systemen“, fährt Prein fort.

Von Anfang an einen Digitalen Zwilling

Eine mit der Automatisierungsplattform automatisierte Anlage hat von Anfang an einen Digitalen Zwilling: Ein bewegliches 1:1 Abbild der realen Anlage, das alle Funktionen und Parameter des späteren Systems beinhaltet – und das bereits in der Projektphase. Dafür kinematisiert Murrelektronik die Konstruktions-Dateien von Maschinen und Anlagen in einer speziellen Software, in der dann die späteren Bewegungen und Abläufe simuliert werden können. Im Digitalen Zwilling läuft dasselbe Steuerungsprogramm wie später auf der realen Maschine. Und nicht nur das: Die digitale Anlage kann per Augmented Reality (AR) auf dem Smartphone oder Tablet direkt in die spätere Produktionshalle gestellt werden, damit alle Bewegungsabläufe in Funktion vorab virtuell betrachtet werden können.

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