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Frequenzumrichter

Der Mittelstand kann Zeichen setzen

| Autor: Ute Drescher

Über einen integrierten Web Server und eine Ethernet-Schnittstelle verbinden die Antriebe der Altivar Prozess-Plattform von Schneider Electric die Management- mit der Antriebsebene. Jürgen Siefert, Vice President Industry OEM, erklärt im Interview mit konstruktionspraxis, die Bedeutung dieser Funktion für ein Einsatz des Frequenzumrichters in Industrie 4.0-Umgebungen. Mit der Integration einer Funktion, so Siefert, ist es aber nicht getan.

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Jürgen Siefert, Vice President Industry OEM, Schneider Electric
Jürgen Siefert, Vice President Industry OEM, Schneider Electric
(Bild: Schneider Electric)

Wie neu ist Industrie 4.0 für Schneider Electric?

Industrie 4.0 ist keine Revolution, sondern eine Evolution. Wir haben zum Beispiel schon 2001 ein Projekt gestartet, bei dem es darum ging, Produktionsprozesse zu vernetzen und besser zu visualisieren. Ein wesentlicher und kausaler Bestandteil des Ganzen ist aber die Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette, mit der Integration einer Funktion in den Umrichter ist das nicht getan.

Welche Anforderungen stellt der Trend der Vernetzung an die Industrie?

Da gibt es zwei große Herausforderungen, die immens wichtig sind. Aus meiner Sicht ist der größte Blocking-point die Cyber Security. Bei unseren Kunden herrschen große Bedenken, dass Fremde auf die Produktionsdaten zugreifen können. Schutzmechanismen gibt es zwar einige, es fehlt aber das Vertrauen. Gefragt sind hier auf der einen Seite Vereinigungen im Maschinenbau, zum Beispiel der VDMA und denjenigen, die Produktionssysteme zuliefern.

Und die zweite Herausforderung?

Die Vereinheitlichung von Protokollen, ein Thema, das sich auch der VDMA auf die Fahne geschrieben hat. Ein aktueller Leitfaden des VDMAs beschreibt die Auswirkungen von Industrie 4.0 auf die Hersteller, aber auch, welche Auswirkungen das für die Endkunden mit sich bringt. Ausgehend von diesem Leitfaden muss man weiterarbeiten. Das Entscheidende wird das gemeinsame Erarbeiten einer Standardisierung sein, mit der alle leben können und bereit sind voranzugehen.

Und jetzt erarbeiten deutsche Maschinenbauer, die sonst im Wettbewerb zueinander stehen, einfach gemeinsam Protokolle und Schnittstellen?

Jeder spricht von Industrie 4.0, jeder will dabei sein. Wenn es aber darum geht, gemeinsam Themen zu erarbeiten, wird es schwierig. Dieses Thema wird man nicht von heute auf morgen lösen.

Wie erfüllt Altivar Prozess die Anforderungen an Industrie 4.0?

Ein Highlight dieses Antriebs ist der direkt in den Drive integrierte Webserver. Darüber hat der OEM, aber auch der industrielle Enduser alle Möglichkeiten, die er benötigt, um den Antrieb in Industrie 4.0-Umgebungen einzusetzen. Man kann dort Belastungsdaten abrufen und eine präventive Wartung durchführen. Meldet der Antrieb über das Web ein Problem, kann der Anwender an der Maschinenbedienung direkt QR-Codes auslesen, die am Drive dynamisch generiert werden. So bekommt er sofort eine detaillierte Fehleranalyse auf das Smart-Phone oder Tablet.

Welche weiteren Schritte wird Schneider Electric unternehmen, um die durchgängige Vernetzung zu realisieren?

Wir arbeiten derzeit mit Kunden an ersten greifbaren Anwendungen. In einem rudimentären Beispiel wird das Engineering in Deutschland gemacht, die Produktion aber an einem ganz anderen Ort der Welt realisiert, nämlich dort, wo die Produktionsmaschinen und die Materialien zur Verfügung stehen. Mit dieser Lösung können wir zeigen, dass es möglich ist, Fachressourcen an einem Ort zu nutzen und die Konstruktionsdaten dann zum Beispiel an jedem beliebigen Ort der Welt in die Maschinen einzuspielen. Industrie 4.0 geht dann eigentlich noch einen Schritt weiter, dass die Maschinen dann untereinander sprechen, welche Maschine welche Auslastung hat und welche Werkzeuge drauf hat und wo ein bestimmtes Teil produziert wird. Das ist ein erster konkreter Ansatz. Weitere Projekte laufen.

Ist der deutsche Maschinenbau gut aufgestellt, Industrie 4.0 zu stemmen?

Ich glaube schon! Warum? Wir haben im VDMA einen Zusammenschluss vieler flexibler, mittelständischer Partner. Die Stärken des deutschen Maschinenbaus sind ihre Flexibilität und ihre Mittelständigkeit. Auch der VDMA als Dachorganisation wirkt stark mit, um die Themen gemeinsam voranzutreiben. Außerdem gibt es viele Individualisten im deutschen Maschinenbau, die dieses ganze Thema vorantreiben wollen. Speziell in Deutschland können wir hier Zeichen setzen.

Vielen Dank für das Gespräch.

* Ute Drescher ist Chefredakteurin der konstruktionspraxis.

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Über den Autor

Ute Drescher

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Chefredakteurin, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht