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AG Additive Manufacturing im VDMA Das Potenzial von Additive Manufacturing wird unterschätzt

| Redakteur: Jürgen Schreier

Die Infoveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing im VDMA am 2. Dezember in Frankfurt am Main war mit rund 100 Teilnehmern komplett ausgebucht. Das zeigt das enorme Interesse an dieser Technologie in weiten Teilen der Industrie. Trotzdem steht man erst am Anfang der 3D-Revolution.

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Die Infoveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing im VDMA war mit rund 100 Teilnehmern komplett ausgebucht.
Die Infoveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing im VDMA war mit rund 100 Teilnehmern komplett ausgebucht.
(Bild: VDMA)

Kaum ein Technologietrend treibt die Industrie derzeit so sehr um, wie Additive Manufacturing. Das Potential scheint gewaltig. Ein schichtender Aufbau von Kunststoff-, Metall- oder Keramikbauteilen stellt viele fest etablierte industrielle Prozess- und Lieferketten in Frage. „Wir registrieren einen großen Informationsbedarf“, weiß Rainer Gebhardt, Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft (AG) Additive Manufacturing im VDMA.

Am 2. Dezember hatte die AG deshalb zum offenen Informationsaustausch ins VDMA-Haus nach Frankfurt am Main eingeladen. 100 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, um sich aus erster Hand über Erfahrungen aus Luftfahrt und Elektronik zu informieren und sich von Konstruktions- und Fertigungsdienstleistern die additive Praxis erklären zu lassen.

Airbus-Experte: „Anfang einer Revolution“

In seinem Impulsvortrag erklärte Airbus-Experte Jörg Sander, dass das Potenzial der Technologie bisher deutlich unterschätzt werde. Seit er Ende der 1990er-Jahre erstmals mit additiven Fertigungsverfahren in Berührung gekommen sei, habe diese Technik bereits riesige Fortschritte gemacht. Und das sei erst der Anfang. „Es geht nur am Rande um Bauteile oder Prozessführung. Die eigentliche Revolution wird sich in Prozess- und Lieferketten abspielen“, sagte er.

Am Beispiel von Titanbauteilen erläuterte Sander seine These. Heute sei der Werkstoff vergleichsweise schwer zu beschaffen, müsse für Einsätze in der Luftfahrt zertifiziert werden und lasse sich nur mit hohem Werkzeugeinsatz in Form bringen. „Je leichter das Bauteil, desto mehr teures Material muss abgetragen werden“, sagte Sander. Dieses Verhältnis kehre sich um, wenn Laser Titanpulver schichtweise zu Präzisionsbauteilen verschweißen. Nicht nur die Material- und Werkzeugkosten würden sinken.

Konstruktion und Fertigung wachsen künftig zusammen

Es zeichne sich ab, dass Titanminen ihr Erz in Zukunft selbst zu Pulver für die additive Fertigung verarbeiten werden. Damit entfalle der teure Wandlungs- und Schmelzprozess von Titaneisenerz zu Titanblöcken, -blechen oder -strängen. „Die Wertschöpfungskette und der Gesamtprozess werden sich völlig verändern. Und Titan ist nur ein Werkstoff von vielen“, analysierte der Airbus-Experte.

Neue Werkstoffe und neue Prozesse verlangen nach neuen Zertifizierungen, Normen und Standards. Zudem müssen Konstrukteure Bauteile komplett neu denken, wenn diese nicht mehr gegossen oder aus dem Vollen gefräst werden.

Damit ist laut Sander vorprogrammiert, dass Konstruktion und Fertigung künftig zusammenwachsen. „Es braucht integrierte Teams, in denen Spezialisten beider Bereiche mit Materialexperten, Einkäufern und Vertrieblern zusammenarbeiten. Denn additive Fertigung wird auch die Beschaffungs- und Vertriebswege verändern“, erklärte er.

Additive Prozesse materialisieren sich über die Software

Ein Unternehmen, dass diese Veränderung seit 1990 aktiv vorantreibt, ist Materialise mit Ursprung im belgischen Leuven und Standorten in Bremen und München. Geschäftsführer Marcus Joppe vermeidet das Wort Revolution. Doch vermutet auch er, dass der Einzug schichtender Verfahren in die Serienfertigung Umwälzungen in vielen industriellen Prozessketten verursachen wird. „Additive Manufacturing ist im Kern ein digitaler Prozess, der sich perfekt in die Industrie 4.0 fügt“, erklärt Joppe. Intelligente Software sei der Schlüssel, um über intelligente Konstruktionen das volle Potential der neuen Fertigungsmethodik zu heben.

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