Medizintechnik Das Internet der Dinge erobert den OP-Saal

Die Medizintechnikbranche bildet mit ihren Innovationen die technischen Grundlage und die Infrastruktur für eine moderne Gesundheitsversorgung. Die Megatrends der Branche lauten Digitalisierung und Vernetzung

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Trend der Medizintechnikbranche: Medizinische Geräte in Klinik und OP sollen unkompliziert mittels Plug-and-play zu vernetzen sein.
Trend der Medizintechnikbranche: Medizinische Geräte in Klinik und OP sollen unkompliziert mittels Plug-and-play zu vernetzen sein.
(Bild: tpn Kpl - Fotolia)

Vom selbst füllenden Kühlschrank im Smart Home, über individualisierte Produkte in Losgröße 1 bis hin zur intelligenten Verknüpfung von Produktentwicklung, Produktion, Logistik und Kunden unter dem Stichwort Industrie 4.0 – die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung im sogenannten Internet of Things machen's möglich.

Diese Entwicklung hinterlässt auch in der Medizintechnikbranche ihre Spuren. „Die beiden Haupttrends in der Medizintechnik sind unverändert die Miniaturisierung und Digitalisierung der Produkte“, sagt Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer Fachverband Elektromedizinische Technik im ZVEI. „Beides spielt sich sowohl auf der Ebene der Produkte selber als auch auf der Ebene der Vernetzung der Produkte untereinander und mit den medizinischen IT-Systemen ab.“

Mehr Qualität in der Versorgung

Dies bedeutet in der Praxis: Medizinische Geräte in Klinik und OP sollen unkompliziert mittels Plug-and-play zu vernetzen sein. Dies soll zum einen die Sicherheit der Patienten erhöhen und zum anderen die Qualität der Behandlung und der Gesundheitsvorsorge anheben. „Im Ergebnis sind die Produkte flexibler einsetzbar und verbessern Effizienz und Qualität der Versorgung“, sagt Bursig.

Der Wunsch nach Vernetzung stellt die Hersteller von medizintechnischen Geräten vor einige Herausforderungen. Denn dies erfordert häufig eine komplette Neuentwicklung von Produkten und teilweise auch eine Anpassung des Produktsortimentes – einfach eine Schnittstelle zur Außenwelt einzubauen, reicht laut Bursig nicht. Vielmehr setzt die Vernetzung von Produkten und IT-Systemen in der Regel andere Produkteigenschaften als bisher voraus. So müssen Geräte etwa Steuerbefehle entgegennehmen und verarbeiten können, anstatt lediglich Daten zur Weiterverarbeitung bereitstellen. Selbst wenn manche Produkte zunächst scheinbar keiner Veränderung bedürfen, sei laut Bursig zum Beispiel eine elektronische Kennung der Produkte vorstellbar, die von IT-Systemen im OP erfasst wird oder sogar Informationen an Navigationssysteme liefert.

Dieser Trend macht vor den Zulieferern in der Medizintechnik keinen Halt, denn sowohl die interne Steuerung von Produkten als auch die Vernetzung mit anderen Produkten und Systemen erfordert andere Komponenten.

Abschied von Insellösungen

Die Entwicklung von Insellösungen hin zu standardisierten, vernetzten Lösungen macht eine Interoperabilität der verschiedenen System unabdingbar. „Vernetzung spielt in der Medizintechnik eine immer größere Rolle. Als Folge davon gewinnt das Thema Interoperabilität von Systemen an Bedeutung“, so Bursig. Denn in der Regel müssen in einem Krankenhaus Hunderte von medizinischen Geräten, die von unterschiedlichen Herstellern stammen, in das eigene Informationssystem integriert werden. Doch nicht alle diese Geräte liefern Daten in einem Format, das eine reibungslose Integration in die elektronische Patientenakte oder in klinische Informationssysteme gestattet, also eine effektiven Datenübernahme und -verarbeitung.

Von immer größerer Bedeutung wird die Integration und Vernetzung von Medizinprodukten untereinander sowie mit angrenzenden IT-Systemen. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Leuchtturmprojekt OR.NET adressiert genau diese Thematik. Ziel des Projektes ist der Entwurf, die Evaluierung und die Implementierung von Konzepten für eine herstellerunabhängige, dynamische Vernetzung medizintechnischer Geräte und Systeme in die vorhandene informationstechnische Infrastruktur von Operationssälen.

Speziell die Vernetzung und Interaktion computergesteuerter Medizingeräte im OP, aber auch von Diagnosegeräten mit medizinisch zugelassener Software stellt eine besondere Herausforderung für die Informations- und Kommunikationstechnologien im medizinisch-klinischen Umfeld dar. Denn die erfolgreiche Einführung eines Datenverbunds für Medizingeräte bietet die Chance erheblicher Einsparungen für das gesamte Ökosystem des Gesundheitswesens bei gleichzeitiger Verbesserung der Versorgungsqualität.

Datensicherheit hat oberste Priorität

Das Internet of Things verändert die Medizingeräteentwicklung signifikant. Sicherheit ist dabei eine der größten Hürden, die Entwickler meistern müssen. Die mit dem Internet verbundenen Geräte können anfällig sein für Malware, Hacker und Datendiebstahl. Aufgrund der Sensibilität medizinischer Informationen und der Exposition der vernetzten medizinischen Geräte und Systeme setzt dies das Gesundheitswesen beträchtlichen Risiken aus. Wie sehen sinnvolle Lösungen für diese Sicherheitsprobleme aus? Zunächst müssen typischen Maßnahmen für Internet-Sicherheit auf vernetzte Medizinprodukte übertragen werden. Darüber hinaus braucht es ein effektives Risikomanagement und eine angemessener Aus- und Weiterbildung aller Beteiligten. Nicht zu vergessen: die Definition geeigneter Standards und Regularien.

Entsprechende Lösungen und Ansätze bieten auch die Aussteller der Medtec, Fachmesse und Kongress für Design und Technologie medizinischer Ausrüstung. Die Veranstaltung findet statt auf dem Messegelände Stuttgart vom 12. bis 14. April 2016. Mehr als 640 ausstellende Zulieferer aus der medizintechnischen Branche werden in Stuttgart aktuelle Technologien und Lösungen zeigen. Abgerundet wird die Veranstaltung durch kostenfreie Konferenzen, B2B-Meetings sowie einem Start-up- und Innovationswettbewerb.

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