Forschung Bosch eröffnet neuen Forschungscampus in Renningen

Redakteur: Juliana Pfeiffer

Eine völlig neue Arbeitswelt für kreative Köpfe: Mit dem Forschungscampus in Renningen will Bosch die Disziplinen übergreifende Zusammenarbeit fördern und so seine Innovationskraft weiter stärken. In Anwesenheit von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sowie zahlreichen weiteren Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wurde der Forschungscampus jetzt eröffnet.

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Auf dem Bild von links nach rechts: Dr. Michael Bolle, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Dr. Volkmar Denner.
Auf dem Bild von links nach rechts: Dr. Michael Bolle, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Dr. Volkmar Denner.
(Bild: Robert Bosch)

Im neuen Zentrum für Forschung und Vorausentwicklung vor den Toren Stuttgarts sind rund 1700 kreative Kräfte in der angewandten Industrieforschung tätig. „Mit diesem Forschungscampus setzt Bosch neue Maßstäbe“, sagte Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Sie betonte die Bedeutung der angewandten Industrieforschung: „Forschung und Innovation sind die Quellen unseres Wohlstandes.“ Dabei habe Bosch den Anspruch, Ideen umzusetzen, die andere noch nicht einmal hätten. „Bosch will Entwicklungen voraus sein“, so die Bundeskanzlerin.

Renningen ist das Stanford von Bosch

„Der neue Forschungscampus von Bosch ist ein eindrucksvolles Bekenntnis zum Innovationsstandort Baden-Württemberg“, so Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

„Unser Campus vereint wie eine Universität viele Fakultäten. Kreative Forscher sollen hier nicht nur die Zukunft denken. Sie sollen auch erfolgreiche Unternehmer sein. Renningen ist das Stanford von Bosch. Das Zentrum ist zugleich ein Bekenntnis zum Technologiestandort Deutschland“, sagte Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung. Rund 310 Millionen Euro hat das Unternehmen in den neuen Standort investiert. Der Forschungscampus steht unter dem Motto „Vernetzt für Millionen Ideen“ und ist der Knotenpunkt des weltweiten Forschungs- und Entwicklungsnetzwerkes von Bosch. Das Technologie- und Dienstleistungsunternehmen will dort auch den Gründergeist stärken. Denner sieht gerade darin einen Wettbewerbsnachteil am Standort Deutschland. „In Deutschland fehlt es sowohl an Chancen als auch an Bereitschaft, ein Unternehmen zu gründen. Wir brauchen mehr Start-up-Mentalität, gerade beim wissenschaftlichen Nachwuchs. Dazu müssen die Universitäten mehr vermitteln als eine hochspezialisierte Examensvorbereitung.“

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Innovationen für mehr Lebensqualität

Künftig sollen in Renningen noch mehr Innovationen entstehen, die die Lebensqualität der Menschen verbessern. Der Campus vereint viele technische und naturwissenschaftliche Disziplinen. Ob Elektrotechnik, Maschinenbau, Informatik, Analytik, Chemie, Physik, Biologie oder Mikrosystemtechnik – insgesamt 1200 Mitarbeiter der zentralen Forschung und Vorausentwicklung sowie 500 Doktoranden und Praktikanten arbeiten nun in Renningen an den technischen Herausforderungen der Zukunft. Bislang waren die Forscher über drei Standorte im Großraum Stuttgart verteilt. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel zeigte sich beeindruckt von der innovativen Forschungseinrichtung: „Sie haben hier nicht nur die Vernetzung der Standorte, sondern sie bekommen hier auch eine Vernetzung der Wissenschaftsdisziplinen.“ Der Blick aufs Ganze könne in solch einem Campus viel besser gelingen.

Rahmenbedingungen für Kreativität und Produktivität

Ministerpräsident Winfried Kretschmann wünscht dem Forschungscampus eine erfolgreiche Zukunft: „Von hier aus sollen entscheidende Impulse für die Entwicklung des autonomen Fahrens ausgehen, der Durchbruch bei der Elektromobilität gelingen und die Idee einer vernetzten Produktion vorangetrieben werden. Das Forschungszentrum will hierfür die richtigen Rahmenbedingungen schaffen – Rahmenbedingungen für Kreativität und Produktivität. Ich wünsche mir, dass von diesem Forschungscampus in Zukunft viele Innovationen ausgehen werden, die nicht nur technisch exzellent und wirtschaftlich erfolgreich sind, sondern auch weiterhin der sozialen und ökologischen Verantwortung des Unternehmens gerecht werden.“

Technologische Breite in der Forschung und Vorausentwicklung

In der besonderen Atmosphäre des Campus forschen die Vordenker an neuen Produkten, aber auch an innovativen Herstellverfahren. Zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit zählen beispielsweise die Bereiche Softwareentwicklung, Sensorik, Automation, Fahrerassistenzsysteme und Batterietechnologie sowie verbesserte Antriebssysteme für Fahrzeuge. Zunehmend an Bedeutung gewinnt die Softwarekompetenz – gerade auch für die Vernetzung im Internet der Dinge. „Um bei der Vernetzung technologisch führend zu bleiben, muss Deutschland die Schlüsselkompetenzen Mikroelektronik und Software erhalten und weiter ausbauen. Sonst verliert die deutsche Industrie den Anschluss. Wir müssen den Wettbewerb mit den IT-Unternehmen nicht fürchten. Ein Selbstläufer für die hiesige Industrie wird er allerdings nicht“, betonte Denner.

Bosch selbst sieht Denner für den Trend der Vernetzung gut aufgestellt. So ist das Unternehmen nicht nur Weltmarktführer für mikromechanische Sensoren, sondern baut darüber hinaus seit Jahren seine Softwarekompetenz aus. Inzwischen beschäftigt die Bosch-Gruppe mehr als 15 000 Softwareentwickler. Allein 3000 Experten entwickeln Lösungen für das Internet der Dinge. Gerade in den aus der Vernetzung abgeleiteten Dienstleistungen und Services sieht Bosch großes Geschäftspotenzial. „Wenn wir dieses Geschäft nicht anderen überlassen wollen, dann müssen wir noch schneller und risikobereiter sein als bisher“, forderte Denner. „Unsere Entwickler müssen früher denn je unternehmerisch denken. Das technisch Machbare muss nicht nur den Forscher begeistern, sondern auch die künftigen Kunden.“

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Deutschland muss das Wagen lernen

Große Unternehmen wie Bosch müssten Freiräume für mehr Wagemut und Gründergeist schaffen, so Denner weiter. Bosch geht mit gutem Beispiel voran. Das Unternehmen hat für neue Geschäftsfelder eine eigene Start-up-Plattform gegründet. Denner betonte: „Wenn das Silicon Valley für Europa wirklich Vorbild sein soll, dann müssen wir das Wagen lernen.“ Die Bosch Start-up GmbH unterstützt Bosch-Forscher dabei, erfolgreiche Unternehmer zu werden. Sie kümmert sich beispielsweise um Räume, Finanzierung und andere administrative Aufgaben. Die Jungunternehmer können sich so von Anfang an auf ihr Produkt und dessen Markteinführung konzentrieren. Der Agrarroboter Bonirob ist eines der ersten Ergebnisse. Das Bosch Start-up Deepfield Robotics hat den kleinwagengroßen Roboter zur Unterstützung der Pflanzenzucht und Kultivierung von Ackerflächen entwickelt.

Optimale Arbeitsbedingungen für kreative Ideen

Auf dem weitläufigen Forschungscampus ist ausreichend Platz, um den Agrarroboter zu testen. Neben dem Zentralgebäude, elf Labor- und Werkstattgebäuden sowie zwei Gebäuden für die Standortinfrastruktur gibt es außerdem noch eine moderne Versuchstrecke für den Test von Fahrerassistenzsystemen. Die Belegung der einzelnen Komplexe wurde mit Hilfe einer Vernetzungsmatrix geplant. Sie basiert auf Analysen, wie intensiv einzelne Disziplinen im Austausch stehen: Je enger Bereiche zusammenarbeiten, desto näher liegen sie in Renningen geografisch beieinander.

Raum für Ruhe und Zonen für Zusammenarbeit

Besonderes Augenmerk hat Bosch auch auf die Arbeitsbedingungen gelegt. Ob Außen oder Innen, die Forscher finden überall ein modernes Umfeld. Grundsätzlich ist der ganze Campus ein Arbeitsplatz. „Geniestreiche im Grünen, Technik am Teich – all das ist hier in Renningen möglich“, sagte Denner. In allen Gebäuden und im gesamten Außenbereich gibt es WLAN-Verbindungen. Laptops, Tablets und Internettelefonie machen das Arbeiten in jeder Ecke des Campus möglich. „In Renningen finden unsere Innovationsarbeiter beides: Raum für Ruhe und Zonen für Zusammenarbeit“, erklärt Denner den Ansatz. Die Gestaltung der Büros basiert auf der umfangreichen Analyse des Innovationsprozesses. Während der Ideenfindung braucht der Forscher Rückzugsmöglichkeiten und Ruhe. Im weiteren Verlauf kommt dem Austausch mit Anderen und der Zusammenarbeit eine größere Bedeutung zu. Diese Phasen sowie die Wünsche der Mitarbeiter wurden bei den Planungen berücksichtigt. „Die Mitarbeiter wollen mehr Freiräume für kreatives Forschen und Entwickeln – und weniger administrative Verpflichtungen. Dafür haben sich auch die Arbeitnehmervertreter aktiv eingesetzt“, sagt Alfred Löckle, Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrats. „Die Zeit der Vorgaben bei der Arbeitsplatzgestaltung sind vorbei. Unsere Mitarbeiter verbringen viel Zeit an ihren Arbeitsplätzen. Da müssen sie diese auch selbst mit gestalten können“.

Aus den gemeinsamen Diskussionen mit allen Beteiligten entstand ein völlig neues Bürokonzept. Neben den individuellen Arbeitsplätzen bestimmen 270 größere und kleinere Besprechungsräume das Bild – genügend Platz für fokussiertes Arbeiten und Teamwork. Im Durchschnitt ist jeder Mitarbeiter nur zehn Meter vom nächsten Besprechungsraum und damit von der vielleicht nächsten Durchbruchsinnovation entfernt. (jup)

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