Automobile Kommunikation Bosch bringt das Internet ins Auto

Redakteur: M.A. Bernhard Richter

Vor 20 Jahren revolutionierte das Internet den Computer. In den nächsten Jahren wird es das Auto revolutionieren. Denn Bosch macht das Auto zum aktiven Teil des Internets. Für Fahrer hat dies viele Vorteile.

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Das Fahrzeug der Zukunft wird permanent mit dem Internet, seiner Umgebung und anderen Fahrzeugen verbunden sein.
Das Fahrzeug der Zukunft wird permanent mit dem Internet, seiner Umgebung und anderen Fahrzeugen verbunden sein.
(Bild: Bosch)

„Ein vernetztes Auto wird immer auch ein besseres Auto sein“, sagt Wolf-Henning Scheider, Sprecher des Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik und Geschäftsführer bei Bosch. Mit der Vernetzung steigt der Komfort, Sicherheit und Effizienz der Mobilität von morgen. Gleichzeitig will man die Faszination der digitalen Welt auf die Straße bringen. Der Konzern verfolgt drei Leitlinien: Bosch bringt das Internet intuitiv erlebbar ins Fahrzeug. Dann bringt man Fahrzeuge ins Internet und schafft Assistenzfunktionen mit Mehrwert. Und darüber hinaus vernetzt man die Autos mit der Verkehrsinfrastruktur. „Vernetzung ist mehr als nur das Surfen während der Fahrt“, glaubt Scheider. Schon heute ist Bosch auf allen erforderlichen Technologiefeldern aktiv und mit ersten Lösungen bereits in Serie. In Zukunft ergeben sich völlig neue Funktionen. Beispielsweise wird Augmented Reality im Auto die virtuelle mit der realen Welt verbinden. Die Windschutzscheibe wird zur zentralen Anzeige und bringt alle Fahrzeug- und Umgebungsinformationen in das Blickfeld des Fahrers.

Das Internet kommt ins Auto

Die Vernetzung ist auf dem Weg zum Megatrend in der Automobilindustrie, weil die Digitalisierung immer mehr Menschen in ihren Bann zieht. Auch das Automobil wird Teil dieser Digitalisierung werden. Deshalb arbeiten die Entwickler an gleichermaßen intuitiven wie ausgeklügelten Lösungen. Eine davon ist das System MySpin. Damit lassen sich Smartphones perfekt ins Fahrzeug einbinden. Die Anzeige des Mobilgeräts wird damit auf dem zentralen Monitor im Fahrzeug sichtbar. Apps sind so im Fahrzeug deutlich leichter, sicherer und komfortabler nutzbar.

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Auch ohne Mobiltelefon bringt Bosch das Internet ins Fahrzeug. Mit Serviceangeboten kann sich der Fahrer in Zukunft aus dem Auto heraus ohne lange Suche zum Beispiel direkt zur nächsten freien Ladesäule seines Elektrofahrzeugs lotsen lassen, oder einen Parkplatz reservieren und direkt ansteuern.

Doch Bosch vernetzt selbst den Antrieb mit dem Internet. Den Weg dorthin bereitet eHorizon. Hier ergänzen sich jahrzehntelange Systemkompetenz bei Antrieben und innovative Softwareprogrammierung. „Wir verbinden die mechatronische Welt mit der digitalen Welt“, sagt Scheider. Für Nutzfahrzeuge bietet man den elektronischen Horizont schon seit 2012 an, um die Fahrten homogen zu gestalten und unnötige Beschleunigungen und Verzögerungen zu reduzieren. Die Navigationssoftware erkennt beispielsweise, dass nach zwei Kilometern Bergabfahrt ein Ortsschild kommt und fährt diese Strecke dann vorausschauend im sparsamsten Modus oder lädt dabei die Batterie auf. Dadurch können Fahrer bis zu 15 % Kraftstoff sparen. In Zukunft werden die Navigationsdaten zudem mit aktuellen Verkehrsdaten aus dem Internet ergänzt werden – so können Fahrzeuge beispielsweise rechtzeitig vor einem Stauende ausrollen. Diese vernetzte Navigation, bei der das Fahrzeug Daten aus dem Internet berücksichtigt, ist nicht nur im Lkw sondern auch im Pkw die Zukunft.

Das Auto kommt ins Internet

Doch der Datenhighway im Automobil ist keine Einbahnstraße. Fahrzeuge werden nicht nur Informationen aus dem Internet nutzen, sondern auch Informationen an die Umwelt weitergeben. Dafür macht Bosch die Fahrzeuge zum Teil des Internets. „Bei der Verbindung von Fahrzeug undCloud sehen wir Datenschutz als eine Grundvoraussetzung. Der Nutzen muss die potenziellen Risiken bei Weitem übersteigen“, sagt Scheider. Hierzu entwickelt die Firma escrypt speziell ans Automobil angepasste Sicherheitslösungen, wie eine gesonderte Verschlüsselung.

Hinderniswarnung durch Car-to-Car-KommunikationDas Fahrzeug nähert sich einem Hindernis, und warnt das Darauffolgende.
Hinderniswarnung durch Car-to-Car-KommunikationDas Fahrzeug nähert sich einem Hindernis, und warnt das Darauffolgende.
(Bild: Bosch)
Denn Fahrzeuge werden künftig selbst zu Sensoren, die Umfeldinformationen sammeln und untereinander oder mit einem Server austauschen. Diese so genannten Floating Car Data sind nötig, um hochdynamische Karten zu bekommen und gleichzeitig die Fahrzeugsicherheit zu verbessern. Während der Fahrer nur eine Kurve sieht, weiß die Navigation schon, dass dahinter eine eisglatte Stelle oder ein Stauende ist. So kann vermieden werden, dass ein Pkw oder auch Lkw ungebremst in eine Unfallstelle oder in eine stehende Kolonne rast. Denn das System kann den Fahrer warnen oder automatisch einen Bremsvorgang einleiten. „Vernetzung ist ein Baustein der Automatisierung und umgekehrt“, sagt Wolf-Henning Scheider.

Schon heute gibt es erste Anwendungen bei denen Fahrzeuge mit der Außenwelt kommunizieren. Ein Beispiel dafür ist der eCall, der in der europäischen Union im Jahr 2015 Pflicht wird. Dabei setzt ein Fahrzeug bei einem Unfall automatisch einen Notruf ab. Dieser wird beispielsweise über die gleichen Sensoren aktiviert, die auch den Einsatz des Airbags auslösen. Dadurch verringern sich die Anfahrtszeiten von Rettungskräften in ländlichen Gebieten um 50 %, in städtischen Regionen um 40 %. Die Rolle von Bosch geht dabei deutlich über die Technologie hinaus. Das Unternehmen bildet die Schnittstelle zwischen Unfall und Rettung. In einer Sicherheitsleitstelle bearbeitenMitarbeiter die Notrufe und sorgen für eine zügige und präzise Information der Rettungskräfte.

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Außer einem Plus an Sicherheit wird die Kombination von Daten aus dem Fahrzeug auch Geld sparen – gerade bei Firmen und Flotten. Bei LeasePlan vernetzt Bosch Fahrzeuge und ermöglicht somit eine völlig neue Flottenauswertung. Zudem treibt Bosch Lösungen für die präventive Wartung voran. So werden beispielsweise die Motordaten eines Baggers oder Radladers an Datenbanken übermittelt, dort analysiert und mit einem stetig wachsenden Bestand von Daten vergleichbarer Fahrzeuge und Beanspruchung abgeglichen. Bosch kann damit voraussagen, ob und vor allem wann eine wichtige Komponente die Verschleißgrenze erreicht. Diese kann dann rechtzeitig ausgetauscht werden. Am Beispiel des Baggers verhindert dies eine Ausfallzeit und spart viel Geld: Schließlich kostet jede einzelne Stunde, die eine solche Maschine nicht läuft, den Betreiber bis zu 2.000 €. Zukünftig sind solche Funktionen auch im Pkw denkbar. Ein Anwendungsbeispiel wäre eine Verschleißanzeige für Motorteile. Damit würden Autofahrer nicht mehr urplötzlich mit ihrem Fahrzeug auf der Autobahn liegen bleiben, sondern könnten ein beschädigtes Teil rechtzeitig austauschen lassen.

Das Auto wird Teil des Internet

Die Vernetzung des Autos mit dem Internet geht jedoch auch noch weit über diese Anwendungen hinaus. „Die Vernetzung des Automobils ist eine große Aufgabe – bisher war ein Auto isoliert von der Umgebung, in Zukunft wird es mit ihr interagieren“, sagt Scheider. So könnte selbst eine komplette Großstadt samt Infrastruktur vernetzt werden, so dass eine optimale Mobilität gewährleistet ist. Wer beispielsweise von der Innenstadt einer Großstadt in die Randbereiche fahren will, kann für die Innenstadt den Zug nutzen und später auf ein Carsharing Fahrzeug umsteigen. Über Bosch-Plattformen mit Service Brokering können dann der öffentliche Personennahverkehr, Elektro-Mietwagen- und eBike-Verleihe gemeinsam ein integriertes Mobilitätsangebot anbieten.

Schon jetzt wird die Infrastruktur von Großversuchen zum elektrischen Fahren durch Software-Plattformen gesteuert. Ein Beispiel hierfür ist Hubject, das Roaming-System für Ladesäulen. Kunden können dadurch an Ladesäulen verschiedener Firmen ihr E-Auto aufladen und bequem über die Stromrechnung bezahlen. Aber auch abseits der Elektromobilität hat Bosch viele Projekte. Beim Truck Secure Parking können dann online videoüberwachte Lkw-Parkplätze entlang der Autobahn gebucht werden, die mit einem Call Center von Bosch vernetzt sind. Ladung und Fahrer können so in einer sicheren Umgebung bleiben.

Monaco und Bosch arbeiten an der vernetzten Stadt von morgen.
Monaco und Bosch arbeiten an der vernetzten Stadt von morgen.
(Bild: Bosch)
Bosch arbeitet sogar schon daran, eine ganze Stadt ins Internet der Dinge und Dienste zu befördern. Seit Mitte November 2013 werden in Monaco neue Technologien zur digitalen Vernetzung eingesetzt. Damit hat der erste Schritt zur Umsetzung der Kooperationsvereinbarung begonnen, die im Juli 2012 zwischen dem Fürstentum Monaco und Bosch unterzeichnet wurde. Das Projekt eröffnet einen Blick in die Zukunft: Dann wird der Schwerpunkt einer vernetzten Stadt zunächst im Bereich der Mobilität liegen. Anwendungen dafür gibt es genug: Das Lotsen zur nächsten freien Ladesäule, Einbuchen und Abrechnen von Parkplätzen, je nach Verkehrslage das Umsteigen aufs eBike – diese Entwicklung zeichnet sich in Megacities rund um den Globus ab.

Bosch sieht für diese Fahrzeugvernetzung deshalb einen globalen Markt. Denn weltweit beschäftigen sich Endkunden und Automobilkonzerne mit der Vernetzung des Automobils. Automatisierte und vernetzte Fahrzeuge können beispielsweise dafür sorgen, dass der Verkehrsfluss sich um 80 % verbessert oder dass auch älteren Menschen eine komfortable und sichere Mobilität ermöglicht wird. Studien gehen zudem davon aus, dass die Zahl der Verkehrstoten um bis zu 90 % reduziert werden könnte, wenn Fahrzeuge zunehmend automatisiert fahren. Um das Automobil mit dem Internet zu verbinden, ist Bosch im engen Dialog mit globalen Autobauern aber auch innovativen Unternehmen anderer Branchen – in Europa, Nordamerika und Asien. (br)

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