Bedienlösungen Bedienlösungen für den Maschinen- und Anlagenbau

Autor / Redakteur: Dipl.-Wirt.-Ing. Eugen Schenfisch* / Jan Vollmuth

Phoenix Contact hat sein Visualisierungssystem rund um das Tool Visu+ um Treiber und Schnittstellen für alle gängigen Steuerungssysteme erweitert.

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Mit den Touch-Panel- und Software-Lösungen Visu+ und Visu+ Express lassen sich grafikintensive Anwendungen darstellen.
Mit den Touch-Panel- und Software-Lösungen Visu+ und Visu+ Express lassen sich grafikintensive Anwendungen darstellen.
(Bild: Phoenix Contact)

Im industriellen Bereich sind optisch hochwertige, intuitiv bedienbare Benutzeroberflächen zum wichtigen Differenzierungsmerkmal im Maschinen- und Anlagenbau geworden. In diesem Umfeld ist die ehemalige Sütron Electronic GmbH als Spezialist für die Anbindung seiner Geräte an alle gängigen Steuerungssysteme bekannt. Seit Anfang 2016 firmiert die 100-prozentige Tochtergesellschaft der Phoenix-Contact-Gruppe unter dem Namen Phoenix Contact HMI-IPC Technology GmbH. Im Gegensatz dazu konzentriert sich Phoenix Contact im HMI-Bereich (Human Machine Interface) auf die Bereitstellung passender Bedienkomponenten für die eigene Automatisierungslösung.

Optimiertes Visualisierungssystem

Das entsprechende Portfolio setzt sich aus zwei Visualisierungs-Tools sowie den jeweiligen HMI-Geräten zusammen. Aufgrund der vollständigen Integration von Sütron Electronic kann die Phoenix Contact-Gruppe jetzt auf die weitreichenden Erfahrungen der Filderstädter Tochtergesellschaft in puncto Fremdsysteme zurückgreifen. Um dieses Know-how bestmöglich zu nutzen, ist das Visualisierungssystem rund um das Tool Visu+ um entsprechende Treiber und Schnittstellen erweitert worden.

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Bei der Visualisierungslösung Visu+ handelt es sich um ein Scada-System (Supervisory Control and Data Acquisition). Die Software bietet dem Anwender neben den klassischen HMI-Funktionen viele weitere Werkzeuge, die die Grenzen zwischen einer einfachen Vor-Ort-Bedienung und einer komplexen Prozessvisualisierung auflösen. Ergänzend zum Funktionsumfang sind es vor allem die optischen Gestaltungsmöglichkeiten, durch die sich eine für die jeweilige Anwendung maßgeschneiderte Benutzeroberfläche umsetzen lässt. Visu+ ist für Anwender im High-End-Bereich konzipiert, die eine möglichst detailgenaue, moderne und hochwertige Bedienoberfläche erstellen möchten. Daher eröffnet die Bedienphilosophie des Tools dem Nutzer Offenheit sowie ein hohes Maß an Gestaltungsfreiheit. Er kann allerdings nicht nur kreativ sein, sondern muss auch die Grenzen des Systems sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen richtig einschätzen können.

Mit geringem Zeitaufwand erste grafische Ergebnisse

Unvorteilhafte Einstellungen, die sich nachteilig auf die Bildwechsel- und Reaktionszeit auswirken, sind als Teil der Bedienphilosophie von Visu+ durchaus gewollt. Um den Einfallsreichtum der Anwender zu unterstützen, umfasst das Engineering des Tools Mechanismen, die mit wenig Zeitaufwand erste grafische Ergebnisse liefern. So ist es beispielsweise möglich, Objekte außerhalb des eigentlichen User Interfaces zur Verfügung zu stellen. Während der Design-Phase kann sich dies als sinnvoll herausstellen.

Der Nutzer muss jedoch bedenken, dass entsprechende Objekte die CPU durch eine Rechenschleife unnötig auslasten. Dies, weil die CPU die Objekte auf dem User Interface darzustellen versucht, wobei das Ergebnis der Koordinaten-Berechnung verständlicherweise keinen logischen Sinn für sie ergibt. Insbesondere bei Embedded-Systemen erweist sich eine solche Vorgehensweise als kritisch, da hier lediglich begrenzte CPU-Ressourcen vorhanden sind. Deshalb haben die Verantwortlichen bei Phoenix Contact entschieden, eine an typische HMI-Anwendungen angepasste Version von Visu+ zu entwickeln: Visu+ Express.

Einfacher Umstieg auf die umfangreichere Scada-Software

Visu+ Express basiert auf derselben technologischen Grundlage, sodass die Software vollständig aufwärtskompatibel zu Visu+ ist. Die vertraute Benutzeroberfläche sowie die Übernahme von Projekten vereinfachen es für die Nutzer, vom neuen auf das bekannte Visualisierungs-Tool umzusteigen. Visu+ grenzt sich dabei durch einen deutlich höheren Funktionsumfang von Visu+ Express ab. So bietet Visu+ Funktionen, die sich bis in den Scada-Bereich erstrecken, wohingegen Visu+ Express als HMI-Software positioniert ist. Mit Visu+ lassen sich sowohl Bediengeräte mit Windows CE als Betriebssystem wie auch Industrie-PCs mit einem Standard-Betriebssystem ausführen. Visu+ Express unterstützt nur HMI-Geräte. Im Gegensatz dazu treten bei der Auswahl der Kommunikationstreiber keine Unterschiede auf. Neben OPC sind in beiden Software-Versionen zahlreiche direkte Treiber erhältlich, mit denen die User Interfaces an die Steuerungen von Phoenix Contact ebenso wie an die gängigen SPS-Systeme anderer Hersteller angebunden werden können.

Bei den für Visu+ vorgesehenen HMI handelt es sich um Bediengeräte mit integrierter Runtime für die Software. Sie kommen dort zum Einsatz, wo Betriebsdaten entweder mit Visu+ oder mit Visu+ Express angezeigt werden sollen. Die Ankopplung an die jeweilige Steuerung erfolgt über das OPC-Protokoll, viele Kommunikationstreiber oder serielle Feldbus-Schnittstellen. Ergänzend zur anwenderfreundlichen Installation und Handhabung überzeugen die Touch Panel durch ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Als Beispiel seien die Lizenzen für die Visu+ Runtime und den OPC-Server genannt, die bereits in den Kosten inbegriffen sind.

Zwei Plattformen für unterschiedliche Anforderungen

Zur Darstellung der mit Visu+ generierten Anwendungen stehen je nach deren Umfang und Leistungsanforderung zwei Hardware-Plattformen zur Verfügung. Das Portfolio der 3000er-Serie umfasst Touch Panel, die sich durch ihre Feldbus-Offenheit auszeichnen. Die Geräte bieten optional Profibus-, MPI-, CANopen- oder serielle Schnittstellen. Zudem beinhalten sie eine Anbindung für OPC sowie weitere Ethernet-basierte Treiber. Alle Touch Panel verfügen standardmäßig über eine Ethernet- und zwei USB-Schnittstellen. Das Display-Spektrum erstreckt sich von 4,3" (10,92 cm) bis 15,4" (39,1 cm). Ferner sind Geräte mit analog resistivem Touch (Polyester), projiziert kapazitivem Touch (PCAP) und Glas-Film-Glas-Touch (GFG) erhältlich.

Bei der 5000er-Baureihe handelt es sich um Bediengeräte, die eine leistungsstarke PC-Plattform mit dem Betriebssystem Windows CE und der Visualisierungslösung Visu+ vereinen. Sie werden in sämtlichen Applikationen verwendet, die grafikintensive Bedienoberflächen oder Scada-Funktionen benötigen. Die drei Display-Diagonalen reichen von 12" (30,8 cm) bis 172 (43,18 cm), wobei die Touch-Oberfläche in analog resistiver Technologie (Polyester) ausgeführt ist. Darüber hinaus ist eine VGA-Schnittstelle in die Geräte integriert. Durch die Ankopplung eines externen Monitors lässt sich so eine Mehrplatzbedienung realisieren, um unnötige Laufwege zu vermeiden. Die HMIs mit der Software Visu+ werden in Maschinen, Aggregaten und mittelgroßen Anlagen genutzt. Das hochwertige Aluminium-Gehäuse, das frontseitig gemäß IP65 staugeschützt und wasserfest umgesetzt ist, erlaubt den Einsatz der Panels in fast allen industriellen Branchen. (jv)

* Dipl.-Wirt.-Ing. Eugen Schenfisch, Produktmarketing HMI, Phoenix Contact Electronics GmbH, Bad Pyrmont

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