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Projekt Arbeitsgestaltung Assistenzsystem soll bei der Arbeitsgestaltung im digitalen Zeitalter unterstützen

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Während der Zugfahrt nach Hause noch schnell die Präsentation für das morgige Meeting auf Laptop oder Tablet vorbereiten - nur ein Beispiel dafür, dass Arbeit mobiler und flexibler wird. Zudem ist mehr Organisation gefordert, um Privatleben und Familie und den Job unter einen Hut zu bringen. Die Erholung kommt so oft zu kurz. Wie Arbeitsschutzinstrumente noch weiter an die Herausforderungen von Flexibilisierung und Digitalisierung angepasst werden müssen wird jetzt im Projekt Balance-Guard erarbeitet.

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Mit zunehmender Digitalisierung der Arbeitswelt ist es wichtig, die Arbeitsschutzinstrumente noch weiter an die Herausforderungen anzupassen - genau darum geht es im Projekt Balance-Guard.
Mit zunehmender Digitalisierung der Arbeitswelt ist es wichtig, die Arbeitsschutzinstrumente noch weiter an die Herausforderungen anzupassen - genau darum geht es im Projekt Balance-Guard.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Vor allem psychische Belastungen wie Termin- und Leistungsdruck, Multitasking und daraus resultierende Beeinträchtigungen der Gesundheit haben in vielen Branchen zugenommen. Dies zeigt die aktuelle Beschäftigtenbefragung des Landesinstituts für Arbeitsgestaltung (LIA.nrw). Neue Instrumente des Arbeitsschutzes dürfen sich nicht mehr nur auf Belegschaften, Abteilungen oder Arbeitsteams als Ganzes konzentrieren, sondern sollten die Beschäftigten auch individuell in den Blick nehmen. Sie sollten gefragt werden: „Was belastet Sie konkret?“ Im kürzlich gestarteten Projektverbund Balance-Guard wird deshalb ein Assistenzsystem entwickelt und erprobt, das individuelle aber auch betriebliche Präventionsstrategien unterstützen soll.

Beschäftigten-Tagebuch als Selbsterkundungstool

Dabei funktioniert Balance-Guard wie eine Art Beschäftigten-Tagebuch und kann als Lern- und Selbsterkundungstool eingesetzt werden, erklärt Emanuel Beerheide vom LIA.nrw: „Moderne, subjektivierte Arbeitsformen fordern den Beschäftigten immer mehr ab. Arbeitsverdichtung und Flexibilitätsansprüche engen die Spielräume für ausreichende Erholung und gesundes Arbeiten ein. Mit dem Balance-Guard wollen wir auf diese Herausforderung reagieren. Er soll es ermöglichen, in kurzen, persönlich definierten Zeitabständen alltägliche Arbeitsbelastungen und ihre Auswirkungen zu dokumentieren. In den Auswertungen können neben Verläufen dieser Parameter auch Beziehungen zwischen ihnen beobachtet werden. Mit dieser Möglichkeit, arbeitsweltbezogenen Ursache-Wirkungszusammenhängen nachzugehen, unterscheidet sich die Anwendung fundamental von anderen Selbstbeobachtungstools, die derzeit auf dem Markt sind.“

Tipps und Coaching inklusive

Entwickelt wird ein Tool, in dem die/der teilnehmende Beschäftigte sofort ein Feedback nach der Eingabe der Daten erhält. Die Werte können dann zum Beispiel mit denen der vorherigen Woche verglichen werden. Zusätzlich werden der Nutzerin oder dem Nutzer persönlich angepasste Tipps, Coaching- und Trainingsmöglichkeiten angezeigt, so Beerheide: „Dabei ist uns wichtig, Beschäftigte in ihrem Selbstmanagement in Bezug auf Belastungen und die eigenen Ressourcen zu stärken. Allerdings darf dies nicht zu zusätzlichen Belastungen durch übermäßige Selbstoptimierung führen. Vielmehr müssen Beschäftigte in die Lage zu versetzt werden, Arbeitsbedingungen in ihren Unternehmen und Teams mitzugestalten. Für einen erfolgreichen Einsatz des Balance-Guard in Unternehmen sind daher alle betrieblichen Akteure einzubinden.“

Etablierte Strukturen im Unternehmen nutzen

Geplant ist, dass die Anwendung auch auf bereits vorhandene Angebote und etablierte Strukturen innerhalb des Unternehmens verweist, beispielsweise auf Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements, Betriebsärztinnen und Betriebsärzte oder ein Employee Assistance Programm (EAP). Balance-Guard wird im engen Austausch mit Beschäftigten und betrieblichen Interessensvertretern entwickelt. Die erfassten Daten werden in erster Linie für die individuelle Beratung der teilnehmenden Beschäftigten genutzt. In einem weiteren Schritt ist eine Nutzung von anonymisierten Teildatensätzen zur Entwicklung von betrieblichen Präventionsmaßnahmen (Betriebliches Gesundheitsmanagement), zur betrieblichen Organisations- und Personalentwicklung oder zu wissenschaftlichen Zwecken möglich. Im Unterschied zu üblichen Mitarbeiterbefragungen werden Informationen über einen längeren Zeitraum erfasst. Beispielsweise wird sich feststellen lassen, ob es bezüglich der Belastungen/Beanspruchungen der Beschäftigten Monats- oder Wochenpeaks für Stress innerhalb des Betriebes gibt. (mz)

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