Sicherungsautomat

ABB Stotz-Kontakt produziert über 600 Polvarianten auch in kleinen Losgrößen auf einer Anlage

| Autor: Sariana Kunze

Normgemäße Stundenprüfung in 22 bis 25 Sekunden simuliert

Bei der Handhabung der manuell gefertigten Baugruppen ist höchste Präzision gefragt. Diese Komponenten werden in Bulgarien gefertigt, anschließend auf Trays palettiert und von einem IRB 1600 in den automatisierten Prozess eingebracht. „Der Roboter muss die Baugruppen lagerrichtig entnehmen, damit sich nicht beschädigt werden, und der Anlage zuführen“, sagt Erhan Serbest. „Bei der Greif- und Setzgenauigkeit sind lediglich Toleranzen im Zehntelemillimeterbereich zulässig.“

Ein weiterer IRB 1600 ist Bestandteil der Prüfanlage, die sich direkt an die Fertigungsstraße anschließt. Sie führen die Sicherungsautomaten der thermischen Prüfung zu und entnehmen sie nach dem Test wieder. Die Anlage simuliert thermische Last der normgemäßen Stundenprüfung in 22 bis 25 Sekunden. Dabei wird jedes einzelne Produkt überprüft. Nach der thermischen Prüfung wird mit einer elektromagnetischen Prüfung ein Kurzschluss simuliert. „Das Gerät muss 20 Jahre im Einsatz sein und wenn notwendig wie am ersten Tag funktionieren“, sagt Serbest.

Um an allen Standorten weltweit dieselben Standards zu gewährleisten und überall die gleichen Qualitätsparameter anzuwenden, sind sämtliche Prüfanlagen von ABB Stotz-Kontakt miteinander vernetzt. „Wir haben einen globalen Fertigungsansatz mit globalen Qualitätsstandards gewählt. Heidelberg gibt dabei viele Standards für die weltweiten Standorte vor“, so Mühlon. Zudem setzt ABB seit kurzer Zeit einen 3D-Tomographen zur effektiveren Analyse in der Entwicklungsphase oder im Fehlerfall ein. Im sogenannten "Röntgenraum" kann in das Produkt einfach hineingeschaut werden und das 3D-Abbild mit dem CAD-Modell mit der Genauigkeit von einem Hundertstel verglichen werden.

Kein Fehlgriff dank Flexpicker

Laut ABB ist das Herzstück der Flexibilisierung des Fertigungsprozesses auf der ML2 der Flexpicker. Der Roboter bestückt jedes Schaltergehäuse mit der passenden Spule, die er mit vorgegebener Geschwindigkeit aus der ungeordneten Menge auf einem Transportband greift. Über zwei Kameras erkennt er, welche Spule geeignet positioniert ist, nimmt diese auf und setzt sie in einem Werksstückträger ein. Die nicht gegriffenen Spulen werden der Anlage über ein Endlosband von neuem zugeführt. Der Roboter kann – ohne, dass eine Umrüstung erforderlich ist – elf unterschiedliche Spulenvarianten greifen. Auch bei sehr kurzer Taktzeit leistet er sich keine Fehlgriffe, sodass in der Anlage kein Leerlauf durch nicht bestückte Werksstückträger entsteht. „Um etwas höhere Sicherheit zu haben und bei etwaigen zukünftigen Taktsteigerungen noch Reserven zu besitzen, haben wir den Flexpicker mit einer höheren Taktzeit als der im Pflichtenheft definiert abgenommen. Diesen Wert hat er bequem geschafft“, beschreibt Erhan Serbest.

Seit dem 1. Mai 2016 ist die Fertigungslinie ML2 bei vollem planmäßigem Ausstoß an sechs Tagen pro Woche in drei Schichten in Betrieb. Vier Mitarbeiter betreuen pro Schicht die Fertigungslinie, ein weiterer die Prüfanlage. Insgesamt verfügt ABB Stotz-Kontakt mit Inbetriebnahme der neuen Fertigungslinie am Standort Heidelberg über die Möglichkeit, bis zu 8.000 Varianten von Sicherungsautomaten zu fertigen. Ab Stückzahlen von weniger als 200 Stück wird halbautomatisch oder manuell produziert.

Mit Vernetzung steht die Anlage nicht still

Das Know-how einer leistungsfähigen Produktion von der Vorfertigung bis zur Endmontage muss immer auch beim Materialfluss vorhanden sein. „Wenn die Zuführung nicht funktioniert, steht die Anlage trotz aller Automatisierung still. Die Vernetzung bietet uns weitreichende Möglichkeiten, um die Maschinen remote im Blick zu haben, etwaige Engpässe zu erkennen und anhand der Daten abzuleiten, wo wir nachsteuern müssen“, gibt Serbest zu bedenken. „Wir rechnen damit, hier in Zukunft viel Potenzial einbringen zu können, denn es zählt immer das Gesamtbild: Von den Menschen angefangen, über die Automatisierungslösung bis hin zu den Materialflüssen, das ganze vernetzt und gesteuert mithilfe von Technologien der Industrie 4.0.“

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