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Automatisierung 90 Tonnen aus dem Stand gedreht

Redakteur: Katharina Juschkat

Um das Flagschiff von Airbus, den A380, zu fertigen, werden beim Bau flexible, mobile Schwerlastplattformen eingesetzt. Der Kuka Omnimove hilft dabei, die bis zu 90 t schwere Flugzeugteile auf engem Raum millimetergenau in der Produktionsanlage in Hamburg zu transportieren.

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Der Kuka Omnimove bewegt riesige Flugzeugteile im Hangar der Airbus Operations GmbH in Hamburg-Finkenwerder.
Der Kuka Omnimove bewegt riesige Flugzeugteile im Hangar der Airbus Operations GmbH in Hamburg-Finkenwerder.
(Bild: Kuka)

Der Anblick ist faszinierend: Die Mitarbeiter der Airbus-Fertigungsanlage in Hamburg bewegen riesige, 90 t schwere und 15 m lange Rumpfteile des A 380 in einem Gebäude von der Größe eines Fußballstadions hin und her. Dabei drehen und wenden sie die einzelnen Teile, als wären sie Tetrissteine. Möglich macht das die mobile Transportplattform Omnimove von Kuka, ein Transportfahrzeug für Schwerlasten mit omnidirektionalen Mecanum-Rädern. Dieses Radprinzip soll für die gute Manövrierbarkeit sorgen. Im Gebäude, in dem der A380 gefertigt wird, hat Airbus seit einem Jahr zwei der mobilen Transportplattformen im Einsatz, um den gewünschten Fertigungstakt der Rumpfteile zu bewerkstelligen, die entlang der Fließstraße bewegt werden. Zum Transport großer Teile können die Plattformen zusammengekoppelt werden.

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Mit Mecanum-Räder auf engem Raum manövrieren

Im Hangar von Airbus ist der Platz durch die unterschiedlichen Arbeitsstationen und die riesigen Rumpfteile begrenzt. Die Fähigkeit, sich aus dem Stand heraus zu drehen, ist der größte Pluspunkt des Omnimove. Die omnidirektionalen Mecanum-Räder bewegen sich in jede Richtung und sollen auch mit der maximalen Traglast von bis zu 90 t präzise funktionieren. Die Vielseitigkeit verdanken sie einer speziellen Konstruktion: Ein Rad besteht aus mehreren einzelnen Rollen, die jeweils im 45-Grad-Winkel zur Achse angeordnet sind. Auch die anderen Anforderungen an eine Transportplattform sind bei Airbus hoch, der Omnimove will diese Anforderungen erfüllen. So soll sich die Plattform einfach anwenden und lenken lassen und leistungsfähige Akkus verbaut haben. Die Plattform läuft laut Hersteller 48 Stunden unermüdlich, ohne dass man sie aufladen muss.

Airbus will Flugzeugproduktion vermehrt automatisieren

„Wir besitzen heute elf Produktionswerke in Europa und unsere Lieferkette umspannt den gesamten Globus“, sagt Dr. Kai Brüggemann, Werkleiter von Airbus in Hamburg. In der Produktionsanlage in Hamburg, die sich in der Größe einer Stadt direkt an der Elbe erstreckt, durchlaufen viele verschiedene Flugzeugtypen unterschiedliche Montagestadien und Testphasen. Zu jeder Uhrzeit werden Teile in die Anlagen und wieder heraus befördert. Logistik und Transport von Teilen in den unterschiedlichen Montageabschnitten sind zu einem wichtigen Teil des Fertigungsprozesses geworden. Der Einsatz der Transportplattformen soll in der Fertigungsautomatisierung bei Airbus daher nur ein Anfang sein. „Ich hoffe, dass ich noch weitere Produkte von Kuka in unseren Hangars einführen kann – und zwar Standardprodukte und keine spezifischen Produkte für die Flugzeugtechnik“, sagt Brüggemann.

Lösungen aus der Automobilindustrie übernehmen

„Wir suchen auch in anderen Branchen nach passenden Lösungen, insbesondere im Automobilsektor“, erklärt Brüggemann. Er ist überzeugt, dass sein Unternehmen viele Lösungen aus der Automobilindustrie in die Airbus Fertigungsanlagen übertragen kann: „Wir haben hier in Hamburg eine Fließstraße; eine sich ständig bewegende Fertigungslinie, die in der Flugzeugtechnik einzigartig ist.“ Anfang nächsten Jahres plant Airbus eine weitere, vollautomatisierte Fertigungsstraße für ein neues Flugzeugmodell. Kuka ist Partner des Konsortiums, das diese Lösung für die Zukunft liefern wird. „Es ist an der Zeit, roboterautomatisierte Prozesse auch in der Flugzeugtechnik einzuführen. Wir wollen die Lücke zur Automobilindustrie ziemlich schnell schließen“, sagt Brüggemann.

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