VDW-Jubiläum 125 Jahre Verein deutscher Werkzeugmaschinen

Autor / Redakteur: Udo Schnell / Udo Schnell

Mit zahlreichen Gästen hat der VDW in Frankfurt Jubiläum gefeiert. Im Fokus der Veranstaltung stand aber nicht die Vergangenheit, sondern ein Blick in die Zukunft. Der Verband hat einen Zukunftsdialog gestartet, wie die Branche im Jahr 2041 aussehen könnte.

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Dr. Heinz-Jürgen Prokop: „Aus einer Position der Stärke heraus gilt es für die deutschen Werkzeugmaschinenhersteller, die Veränderungen in den Märkten, bei den Kunden, der Technik und den Produkten zu nutzen, um neue Chancen für mehr Wettbewerbsfähigkeit zu generieren.“
Dr. Heinz-Jürgen Prokop: „Aus einer Position der Stärke heraus gilt es für die deutschen Werkzeugmaschinenhersteller, die Veränderungen in den Märkten, bei den Kunden, der Technik und den Produkten zu nutzen, um neue Chancen für mehr Wettbewerbsfähigkeit zu generieren.“
(Bild: Jablonski)

Von humanoiden Robotern des KIT, über Fahrzeugstudien von BMW bis hin zu den Herausforderungen der Digitalisierung der Produktion wie sie die Fraunhofer Institute definieren reichte das inhaltliche Programm bei der feierlichen Veranstaltung zum 125. Geburtstag des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) in Frankfurt. Statt Historie war es dem VDW-Vorsitzenden Dr. Heinz-Jürgen Prokop und Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW, wichtig, in die Zukunft zu schauen. Sogar eine „Zeitkapsel“ im Internet wurde auf die Reise geschickt, um eine Plattform für Mitglieder und Gäste zu bilden, um die Herausforderungen „in einer Zeit grundlegenden technischen und wirtschaftlichen Wandels“ zu meistern, wie Prokop es vor etwa 600 Gästen ausdrückte. „Ein weiter so wäre falsch. Wir müssen heute die Weichen richtig stellen, um Chancen zu generieren“, appellierte er.

„Aus einer Position der Stärke heraus gilt es für die deutschen Werkzeugmaschinenhersteller, die Veränderungen in den Märkten, bei den Kunden, der Technik und den Produkten zu nutzen, um neue Chancen für mehr Wettbewerbsfähigkeit zu generieren“, sagte Prokop. 400 geladene Gäste aus Industrie, Wissenschaft, Medien und Verbänden feierten mit einem Festakt und einem sommerlichen Festabend „125 Jahre VDW“ unter dem Motto verlässlich – dynamisch – wertvoll“.

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„Die drei Attribute stehen für das Leistungsspektrum des Verbands und für die Themen, die er seit seiner Gründung im Dezember 1891 behandelt“, erklärte Prokop. Sie beschreiben das Aktionsfeld der Hersteller: Märkte – Maschinen – Menschen. Die intensive Auseinandersetzung mit diesen Themen habe die Erfolgsgeschichte der Branche begründet, so Prokop. Gleichzeitig leiten sich daraus die aktuellen Herausforderungen für die Firmen ab.

Wachstumsmarkt Asean systematisch bearbeiten

Eine der großen Aufgaben für die nahe Zukunft besteht demnach in der Erschließung neuer Wachstumsmärkte. Derzeit sei die Branche mit starken Verschiebungen in der Exportstruktur konfrontiert, analysierte der VDW-Vorsitzende. China, seit 2003 mit Abstand größter Exportmarkt für die deutschen Hersteller mit einem Anteil von zeitweise bis zu einem Drittel, verliere an Gewicht. Die Hoffnung auf die Reindustrialisierung der USA mit hohen Investitionen in die Produktionstechnik blieb bisher in der Breite unerfüllt. Auch Russland, über viele Jahre drittstärkster Markt, werde diese Rolle in absehbarer Zeit nicht mehr einnehmen. Europa rücke daher wieder verstärkt in den Blickwinkel der deutschen Unternehmen, weil die europäischen Kunden mit hohen Qualitätsanforderungen im Weltmarkt konfrontiert seien und investierten.

Vielversprechend seien jedoch vor allem die Asean-Region und Indien. Sie bieten großes Potenzial für die Werkzeugmaschinenindustrie. Dort gelte es, die Kunden mit besseren Angeboten zu überzeugen und dem dort führenden Wettbewerber Japan konsequent Marktanteile abzuringen. „Das heißt mehr Engagement, mehr Präsenz, mehr Investitionen und gegebenenfalls auch mehr Kooperationen, im Fall, dass ein Mittelständler nicht alles Erforderliche allein stemmen kann“, sagte VDW-Vorsitzender Prokop.

Vor einem Paradigmenwechsel und Wandel seines Geschäftsmodells mit starken Auswirkungen auf die Produktionsausrüster stehe auch die Automobilindustrie, größter Abnehmer von Werkzeugmaschinen. Treiber sind unter anderem regulatorische Anforderungen aus der Politik und die zunehmende Urbanisierung der Gesellschaft. Zentrale Themen sind der technische Wandel vom Verbrennungsmotor zu alternativen Antriebsformen sowie das vernetzte und automatisierte Fahren. Neue, branchenfremde Wettbewerber wie Tesla oder Google treten in den Markt. Hinzu kommen neue Services für Kunden, etwa Car-Sharing-Modelle. Digitalisierung und Vernetzung machen es möglich. „Diese Entwicklung müssen wir im Blick behalten“, mahnte Prokop.

Kundennutzen durch Vernetzung erzeugen

Über 125 Jahre haben die deutschen Hersteller ihre Technik immer weiter entwickelt und optimiert. Deshalb würden sie heute weltweit mit an der Spitze stehen. Angesichts des hohen technischen Reifgrades der Maschinen bestehe jedoch eine weitere Herausforderung in der Ausweitung des Dienstleistungsangebots mit verbessertem Kundennutzen. „Erfolgreich werden wir im Weltmarkt nur bleiben, wenn die Produkte weiterhin technisch führend sind und durch weiterentwickelte und zusätzliche Dienstleistungen ergänzt werden“, ist Prokop überzeugt.

Industrie 4.0 eröffne dazu auf einmal gigantische Chancen. „Es geht darum, neuen Kundennutzen durch Vernetzung zu generieren. Wie im privaten Leben auch, können sehr viele Tätigkeiten vereinfacht oder sogar automatisiert werden“, weiß Prokop. Das Denken in Vernetzungslösungen sei für viele Unternehmen jedoch noch neu und benötige einen veränderten Blickwinkel.

Von der vertikalen zur horizontalen Sichtweise, heißt die Devise. Die Maschine darf nicht mehr allein im Fokus stehen. Vielmehr muss sie optimal in die Intralogistik eines Unternehmens eingebettet werden. Daraus entstehen Fragen:

  • Wie kommen zum Beispiel die Werkstücke optimal in die Maschine?
  • Wie geben die Maschinen den Werkstücken eine Identität, und wie reichern sie diese weiter an?
  • Wie werden Werkstücke Aufträgen zugeordnet, verfolgt und jederzeit auffindbar?

Antworten darauf führen zu Angeboten und Dienstleistungen, die neuen Kundenutzen schaffen. Auch könnten völlig neue Maschinenkonzepte entstehen, neue Assistenzsysteme oder Lösungen für den Materialfluss und die Teileverfolgung. Und wer könnte dies besser realisieren als die Werkzeugmaschinenhersteller, die mitten im Produktionsprozess zu Hause sind? „Ein großes Feld, das in Teilbereichen noch weitgehend brach liegt und die Kreativität der Hersteller massiv anspornt“, sagte Prokop.

Exzellenzinititative für berufliche Bildung

Die wertvollste Ressource für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie seien in allen Fachbereichen gut ausgebildete, hochqualifizierte und sehr engagierte Mitarbeiter, die ihre Aufgaben beherrschen und mit hoher Motivation daran arbeiten. Die schnellen technischen Veränderungen im Zusammenhang mit Industrie 4.0 verlangen jedoch auch neue Kompetenzen von ihnen.

Vor diesem Hintergrund fordert Prokop dringend eine Exzellenzinitiative für die berufliche Bildung. Dazu gehöre die Stärkung des Images der Berufsausbildung und technischer Berufsbilder. Vor allem gelte es jedoch, eine ausreichende Finanzierung der Berufsschulen für Ausstattung und Weiterbildung zu sichern, damit junge Menschen auf dem neuesten Stand der Technik ausgebildet werden können.

Der Branche selbst schreibt Prokop ins Stammbuch, dass es gelingen müsse, die so genannten Digital Natives für die Werkzeugmaschinenindustrie zu begeistern, um die Potenziale der Vernetzung auch wirklich heben zu können. „Ganz ehrlich: Trotz Hightech in der Werkzeugmaschine, leistungsfähigen Steuerungen, Automatisierungslösungen, Einsatz von künstlicher Intelligenz und vielem mehr wird unsere Branche in der IT-Welt als konservativ angesehen. Das muss sich ändern“, forderte er. Ein erster Schritt sei das Projekt „Fachkraft für digitale Fertigungsprozesse“ der VDW-Nachwuchsstiftung.

Zusammenfassend resümierte Heinz-Jürgen Prokop: „Die Zukunft bleibt spannend. Die geschilderten Entwicklungen haben allesamt große Auswirkungen auf die Werkzeugmaschinenindustrie, führen gar zu Umwälzungen. Jedoch hat die Branche auch in der Vergangenheit immer wieder Veränderungen bewältigt. Immer konnte sie sehr gut mithalten, Entwicklungen aus anderen Bereichen für sich adaptieren und sich selbst neu erfinden. Das zeigen 125 Jahre VDW. Daher sind wir auch für die Zukunft optimistisch!“

MM

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