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Kugelgewindetrieb 100 Prozent Swiss-Made-Gewindetriebe

Redakteur: Luca Meister

Qualitativ hochwertige Kugelumlaufspindeln und Gleitspindeln – per Kaltumformung hergestellt – sind die Kernkompetenz der Eichenberger Gewinde AG (EAG). Die weitere Stärke des Aargauer Unternehmens liegt in der kundenspezifischen Entwicklung von Spezial-Kugelgewindetrieben. Damit hebt sich der Gewindespezialist auch im Ausland von der Konkurrenz deutlich ab.

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Aufgeschnittener Kugelgewindetrieb «Carry Speedline» mit patentiertem Umlenkungssystem für die Kugelrückführung.
Aufgeschnittener Kugelgewindetrieb «Carry Speedline» mit patentiertem Umlenkungssystem für die Kugelrückführung.
(Bild: Eichenberger)

Die Spindeltriebe der Eichenberger Gewinde AG kommen in den unterschiedlichsten Bereichen zum Einsatz: von der Lastwagenkupplung über das Spitalbett bis zur Sockenstrickmaschine – grundsätzlich überall, wo etwas bewegt werden muss. Die gerollten Gewinde sind in den verschiedensten Größen (von 4 bis 40 mm) und Varianten (vier Produktlinien) erhältlich, unter anderem auch zertifizierte Spezialgewindebolzen, die höchste Sicherheitsanforderungen erfüllen.

Gestartet mit Kugelgewindetrieb für Kaffeemaschinenhersteller

In das Geschäft mit Kugelumlaufspindeln wurde das Unternehmen durch ihren Kunden Cafina AG hingeführt. Auf Wunsch des Kaffeemaschinenherstellers wagte sich die Eichenberger Gewinde AG Ende der 80er-Jahre auf Neuland und entwickelte einen Kugelgewindetrieb, der den das Kaffeepulver zusammenpressenden Stempel antreibt. Keine leichte Aufgabe: Denn der „Kaffeekuchen“ muss gleichmäßig gepresst werden (mit 125 kg) und immer gleich herauskommen (der erste Espresso soll gleich schmecken wie der vierte). Dieses Projekt war die eigentliche Initialisierung des Erfolgs, seither entwickelte sich die EAG Schritt für Schritt zum Top-Unternehmen.

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1953 als Lohnfertiger gegründet, 1988 mit der eigenen Herstellung von Kugelspindeln begonnen, beträgt der Anteil an Eigenprodukten mittlerweile über 90 %. Die 120 Mitarbeiter beschäftigende Eichenberger Gewinde AG gilt nicht nur in der Schweiz als erster Ansprechpartner, wenn es um qualitativ hochwertige Gewindetriebe geht. Im letzten Jahr wurden Kugelgewindetriebe, Steilgewinde-Kugelspindeln, Steilgewindespindeln oder Rundgewindespindeln in 41 Länder ausgeliefert (insgesamt waren es 2012 über 425.000 Kugelgewindetriebe). Der Bezug des neuen Bürogebäudes im letzten Jahr zeigt, dass am Standort Burg festgehalten wird.

Perfektionierter Kaltumformprozess: kein Richtprozess mehr nötig

Die Kernkompetenz der EAG liegt im Kaltumformen. Insgesamt stehen in der Produktion acht Gewinderollmaschinen (drei CNC-gesteuert) im Einsatz. Geschäftsführer Kurt Husistein erklärt: „Unser Fachwissen im Gewinderollen ist entscheidend. Damit können wir uns auf dem internationalen Markt von unseren Konkurrenten abheben.“ Das Know-how liegt unter anderem darin, den Kaltumformprozess – die meisten Kugelgewindetriebe werden aus Wälzlagerstahl (1.3505 oder 100Cr6) hergestellt – gezielt zu beeinflussen. Die Steilgewindespindeln werden fast ausnahmslos aus Edelstahl gefertigt. Einer der stärksten Vorteile des Kaltumformens gegenüber dem spanenden Verfahren ist, dass die Faserverläufe des Materials nicht zerstört werden, was sich positiv auf die Festigkeitseigenschaften auswirkt. Die EAG hat den Kaltumformprozess derart perfektioniert, dass in den meisten Fällen kein Richtprozess mehr nötig ist. (Der Rollvorgang erhöht die Festigkeit in der Regel um 30 %, bei Edelstählen teils noch höher.)

Gewinderollwerkzeuge zum Teil im eigenen Haus hergestellt

Eine Spezialkompetenz der EAG sind ihre Gewinderollwerkzeuge, die zum Teil im eigenen Haus hergestellt werden. Diese weisen zum Beispiel spezielle Einlaufpartien auf, damit die Spindeln möglichst sanft geformt werden und beim nachfolgenden Härten weniger Spannungen freigesetzt werden.

Nach dem Härten tritt Verzug auf. Auf einer speziell auf die Anforderungen der EAG entwickelten Richtmaschine werden die Gewindestangen perfekt „ins Lot“ gebracht.

Mit dem Kauf einer neuen Induktionshärteanlage wurde ein strategischer Schritt gemacht, um den Härteprozess in das eigene Haus zu integrieren. Zuvor mussten die Gewindespindeln jeweils auswärts gegeben werden, was enorm Zeit und logistischen Aufwand in Anspruch genommen hatte.

Kompletten Kugelgewindetrieb in wenigen Wochen entwickeln und liefern

Dank ihrem fundierten Fachwissen kann die EAG schon in den Entwicklungsprozessen der Spindeln schnell agieren: Nach 60 Jahren Aufbauarbeit hat man heute für fast alle Anforderungen eine platzsparende und elegante Lösung. Kurt Husistein sagt: „Wir sind in der Lage, innerhalb weniger Wochen einen kompletten Kugelgewindetrieb zu entwickeln, herzustellen und zu liefern. Das erweist sich als großer Vorteil. So schnell sind andere, vor allem größere Konkurrenten, nicht – unter anderem aufgrund ihrer Unternehmensstruktur.“

Die Eichenberger-Entwickler erarbeiten gemeinsam mit den Konstrukteuren ihrer Kunden zukunftsorientierte Antriebslösungen. Je nach Belastung, Positioniergenauigkeit, Schnelligkeit (pro Umdrehung können Wege von bis zu 200 mm erreicht werden) usw. werden die Spindeltriebe nach den verlangten Charakteristiken dimensioniert. Dies sind zum Beispiel Spezialgewinde mit Sonderprofil, mehrgängige Gewinde mit bis zu sechsmal so großen Steigungen wie der Durchmesser, ein- und mehrgängige Schnecken, Kerbverzahnungen, Gewinde auf unförmigen Teilen oder konische Gewinde (außerdem stehen Rändelungen im Angebot). Dabei werden verschiedene Arten von Muttern, aus Kunststoff oder Bronze, oft kundenspezifisch entwickelt.

Kugelgewindetriebe mit hohem Wirkungsgrad für die Autoindustrie

Für die Aufträge aus der Automobilindustrie wurde 2004 die Eichenberger Motion AG gegründet. Die Schwestergesellschaft liefert spezifisch für Autozulieferer unter anderem komplette Kugelgewindetriebe mit extrem hohem Wirkungsgrad, die beispielsweise die Kupplungshydraulik von Lastwagen betätigen oder bei automatischen Schaltgetrieben den Gang einlegen.

Mit langjährigem Fachwissen, flexiblen und speditiven Prozessen von der Entwurfsphase bis zur Montage schafft es die Eichenberger Gewinde AG, sich als verhältnismäßig kleiner Zulieferer gegen größere Konkurrenten durchzusetzen – sogar im Automobilbereich.

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