Studie

Wie man weniger arbeitet und mehr leistet

| Redakteur: Juliana Pfeiffer

Ein individuell ergonomisch eingestellter Arbeitsplatz hilft, Fehlbelastungen und schneller Ermüdung vorzubeugen.
Ein individuell ergonomisch eingestellter Arbeitsplatz hilft, Fehlbelastungen und schneller Ermüdung vorzubeugen. (Bild: Waldmann)

Die Arbeitswelt verlangt von uns immer mehr Leistung, dabei steigen Multitasking, Unterbrechung von elektronischen Geräten und der allgemeine Arbeitsdruck. Das Gefühl pausenlos zu arbeiten steigt. Dabei täten aber Manager gut daran ihren Mitarbeitern mehr Pausen zu geben – das hat die aktuelle Studie "It is time to get a rest" von Manel Baucells von der University of Virginia Darden School of Business ergeben.

Die Studie "It is time to get a rest", die Manel Baucells zusammen mit Co-Autor Lin Zhao von der Chinese Academy of Sciences in Peking durchgeführt hat, gibt bedeutende Einblicke hinsichtlich der Überwindung von Müdigkeit und Steigerung der Produktivität der Belegschaft, indem sie schaut wie deren Leistung am besten über den Tag verteilt werden kann. Verglichen mit den Performance-Daten von Athleten und Schwimmern bei Zeitrennen, realisieren diese nicht kontinuierlich ihre Höchstleistung, während ein Arbeitgeber jedoch genau dies von seinen Angestellten verlangt.

"Ermüdungs-Nutzlosigkeits“-Modell beurteilt Leistungsfähigkeit

Um zu beurteilen, wie die Leistung der Arbeiter am besten über einen einzigen Arbeitstag verteilt werden kann, entwickelten Baucells und Zhao ein "Ermüdungs-Nutzlosigkeits“-Modell, das sich aus zwei Arten von Aufwandsmustern zusammensetzte, die durch die Art der Arbeit bestimmt wurden.

Bei Arbeitsplätzen, an denen die Arbeit angepasst werden kann, fand man heraus, dass ein analoges ‚hoch-niedrig-hoch‘-Leistungsmuster der beste Weg ist, um Müdigkeit zu bewältigen. "Die Idee ist, den Tag mit maximaler Intensität zu beginnen und zu beenden, es in der Mitte aber etwas ruhiger angehen zu lassen", sagt Baucells. "Für lange Arbeitstage sollten wir den ‚Marathon-Stil‘ anwenden: Die Dauer der maximalen Intensität wird kurz sein und die Idee ist, ein moderates Tempo während des Tages zu halten."

Dieses "analoge" Muster steht im Kontrast zu einem Teufelskreis, in dem sich einige Arbeiter befinden können. Für diejenigen, die langsamer anfangen und in einem ‚niedrig-mittel-hoch‘ Muster vorgehen, bedeutet dies, dass diese für den langsamen Start dann am Ende des Tages ein so hohes Niveau beibehalten müssen, so dass sie zu müde sind ein neues Projekt mit hoher Geschwindigkeit zu beginnen. Und somit geht das Muster immer so weiter.

Pausen als Investition in zukünftige Produktivität

In einigen Jobs kann man keine Anpassung vornehmen. Angestellte, die eine Maschine führen oder im Restaurant oder Einzelhandelsgeschäft von der Kundenfrequenz abhängig sind oder geistige Aufgaben durchführen, die eine konstante Konzentration erfordern, wie bei Prüfungen, müssen entweder 100 Prozent geben oder eine Pause machen, aber sie können nicht mit 25 Prozent arbeiten. In diesem binären ‚alles-oder-nichts' Fall zeigen Baucells und Zhao, dass die beste Verteilung der Arbeiterleistung ist, den Tag mit aktiven Perioden zu beginnen und zu beenden, aber während des Tages Pausen zu nehmen. "Weit davon entfernt, unproduktiv zu sein, sollten solche Pausen als Investitionen in die zukünftige Produktivität angesehen werden, weil sie tatsächlich der Ermüdung entgegenwirken und wie bereits erwähnt wieder den ‚Take it easy‘-Ansatz aktivieren", sagte Baucells.

Optimale Pausen verkürzen Arbeitszeit und erhöhen die Leistung

Um noch einmal auf das Beispiel mit dem Prüfungsschreiben zurückzukommen, eine Aufgabe, die konsequente geistige Konzentration und Anstrengung erfordert. Mit vernünftigen Annahmen über Müdigkeit und Produktivität, zeigen Baucells und Zhao in ihrer Untersuchung, dass zehnstündiges Arbeiten ohne Pausen in 15 bestandenen ‚Prüfungen‘ endet. Für drei gestattete Pausen, fanden Baucells und Zhao folgende optimale Leistungsverteilung heraus: zwei Stunden arbeiten, dann eine 45-minütige Pause, danach für 105 Minuten arbeiten, dann wieder eine 45-minütige Pause, dann weitere 105 Minuten arbeiten und dann eine weitere 45-minütige Pause machen und den Tag mit zwei weiteren Arbeitsstunden beenden. Nach diesem Plan sinkt die Gesamtarbeitszeit auf sieben Stunden und 30 Minuten, während sich die Gesamtleistung auf 19 bestandenen ‚Prüfungen‘ erhöht. Die Lektion ist klar: optimale Pausen reduzieren die Arbeitszeit und erhöhen die Leistung.

Folgen für den Arbeitsplatz

Die Auswirkungen der Studie wirken sich nicht nur auf unsere Gesundheit und Lebensqualität aus, sondern auch auf Firmen und die Wirtschaft. "Die Quintessenz ist, dass die Anreize von Unternehmen und Arbeitnehmern perfekt aneinander gekoppelt sind, wenn es darum geht, sich auszuruhen und Ermüdung zu bewältigen: Die Ermüdung zu verringern erhöht die Produktivität, senkt die Kosten für die Leistungssteigerung, erhöht die Mitarbeiterzufriedenheit, verringert die Fluktuation und Fehlzeiten und erhöht letztlich die Gewinne ", Sagte Baucell. "Google scheint diese Lektion bereits gelernt zu haben und gestaltet das Arbeitsumfeld angenehm, fördert spaßige Ablenkungen, während sie gleichzeitig zu längeren Arbeitsstunden ermutigen." (jup)

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