Windenergie in Deutschland

Von Füchsen, Vögeln und Windrädern

| Redakteur: Bernhard Richter

Eine aktuelle Studie meint herausgefunden zu haben, dass Windräder keine „Vogelschredder“ seien, sondern nur „postfaktisches“ Gerede der Naturschützer.
Eine aktuelle Studie meint herausgefunden zu haben, dass Windräder keine „Vogelschredder“ seien, sondern nur „postfaktisches“ Gerede der Naturschützer. (Bild: steve p2008 / CC BY 2.0)

In der Luftfahrt gehört Vogelschlag zu den größten Sicherheitsproblemen – bei WEAs ist das Problem politischer Natur. Kann die Technik die Fronten klären?

Kollisionen von Vögeln mit Windenergieanlagen gehören zu den größten Kritikpunkten bezüglich der Nutzung von Windenergie. Im Auftrag des Bundesamts für Energie (BFE) wurde deshalb eine Studie erstellt, die dieser Fragestellung nachgeht. Deren Schlussfolgerungen wurden im November 2016 veröffentlicht. (Siehe Links am Ende des Artikels.) Demnach kämen an jeder Windenergieanlage jährlich etwa 21 Vögel ums Leben. Ein Gutachten eines Ingenieurbüros für erneuerbare Energien und Naturschutz kam darüber hinaus zu dem Schluss, dass die tatsächliche Zahl der Kollisionen sogar noch weitaus geringer ausfallen würde und nur ein Vogelopfer pro Anlage und Jahr zu beklagen sei. All diese Erhebungen sollen letztlich bestätigen, so die BFE-Studie, dass Vogel-Kollisionen seltene Ausnahmeereignisse sind.

Naturschutzbund zeigt sich enttäuscht

Anlässlich dieser Veröffentlichungen kritisierte der Naturschutzbund Deutschland (NABU) in einer Mitteilung, die Windenergie-Branche versuche mit unhaltbaren Aussagen den Eindruck zu erwecken, dass zwischen Windenergie und dem Greifvögelschutz kein Konflikt existiere.

„Der NABU ist enttäuscht von der mangelnden Bereitschaft, ein real existierendes Artenschutzproblem anzuerkennen und gemeinsam an sinnvollen, von geltendem Recht gedeckten Lösungen für eine naturverträgliche Energiewende zu arbeiten. Verstöße gegen das Artenschutzrecht werden durch Wegdiskutieren des Problems aber nicht geheilt und haben vor Gericht keine Chance“, sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller in einer Pressemeldung. Ein Teil der Windbranche erhoffe sich, so der NABU weiter, die Windenergie ausbauen zu können, ohne Rücksicht auf den Artenschutz nehmen zu müssen. Für ganz Deutschland geht der NABU von über 1000 Todesfällen pro Jahr allein beim vom Aussterben bedrohten Rotmilan und bis zu 12.500 beim Mäusebussard aus – insgesamt würden mehr als 100.000 Vögel sterben.

Fuchs, du hast die Beweise gestohlen

Wie allerdings die BFE-Studie auf eine so geringe Zahl von 21 getöteten Vögeln pro Jahr kommt, kann Hermann Hötker vom Michael-Otto-Institut im Naturschutzbund Deutschland (Nabu) erklären: „Vor allem kleinere Tiere werden in vielen Fällen sofort von irgendwelchen Aasfressern weggetragen. Das geht rasend schnell.“

Räuber und Aasfresser können mitunter dafür verantwortlich gemacht werden, dass die Zahlen der von WEAs getöteten Vögel so niedrig ausfällt.
Räuber und Aasfresser können mitunter dafür verantwortlich gemacht werden, dass die Zahlen der von WEAs getöteten Vögel so niedrig ausfällt. (Bild: Red Fox / Chris Parker / CC BY-ND 2.0)

Könnte die Industrie, sozusagen als Streitschlichter, nicht Anwendungen liefern, die einerseits die Natur vor den Erneuerbaren Energien schützt, und andererseits die ohnehin schmale Gewinnmarge nicht deutlich verkleinert? Repoweringmaßnahmen an Altanlagen wären eine Möglichkeit, solche Anwendungen nachzurüsten. Eine konkrete Idee kommt vom Sensorhersteller und bayerischen Gründerpreisträger Indtact aus Würzburg: Durch gezielte akustische Anregung der Rotorblätter könnte die gesamte Windenergieanlage in eine „akustische Vogelscheuche“ verwandelt werden, um Vögel aus dem Gefahrengebiet fernzuhalten. Ein mögliches System könnte die sowieso schon auftretenden Schallwellen durch die Pitch-Regelung der Anlage gezielt in gewünschte Frequenzspektren lenken. Der Schallkegel hätte je nach Größe der WEA eine Reichweite von 300 m bis 500 m. Genug, um heranfliegende Tiere abzuhalten. Für Menschen wäre dieser Schallkegel nicht wahrnehmbar, da die genutzten Frequenzen unterhalb der Wahrnehmungsgrenze liegen würden. Welche Frequenzen Sinn hätten, müsste in Studien herausgefunden werden. Ähnliche Überlegungen gibt es schon beim Fernhalten von Fledermäusen, die von Windanlagen ebenso gefährdet sind.

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27.01.17 - Die Branche bewertet den Zubau positiv und erwartet für Deutschland Kostenreduktionen bei den bevorstehenden Ausschreibungen. Diese Dynamik wird allerdings durch die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2017 reduzierten Ausbauziele nach 2020 gebremst. lesen

Was heute schon mit Sensoren wie denen von Indtact möglich wäre: eine absolut verlässliche Zählung des Vogelschlags pro Rotorblatt und Windenergieanlage. Diese Sensoren werden bereits heute in den Blättern verbaut, um über Schwingungsanalyse, Kraft- und Dehnungsmessungen die Effizienz von WEAs zu steigern. Anhand der Stärke des Aufschlags ließe sich sogar die Größe des Tieres bestimmen, um evtl. Rückschlüsse auf die Art zu ziehen.

Auf dieser Grundlage könnte faktenbasiert argumentiert werden und schon heute, falls es denn gewünscht wäre, die tatsächliche Zahl an Vogelopfern bestimmt werden, um dann geeignete Schutzmaßnahmen für Vögel und Fledermäuse gleichermaßen in die Wege zu leiten. (br)

iNDTact

iNDTact, Würzburg. 201 likes · 1 talking about this · 3 were here. iNDTact entwickelt Sensoren für Bauteile aus FVW. Das Besondere: iNDTact-Sensoren lassen diese Bauteile fühlen und überwachen deren...

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