Elektromobilität

Mit der Kraft der Sonne beschleunigt Solar-Coupe auf bis zu 120 km/h

| Redakteur: Juliana Pfeiffer

Der Thyssenkrupp Blue.Cruiser, noch als Simulation aus dem Rechner
Der Thyssenkrupp Blue.Cruiser, noch als Simulation aus dem Rechner (Bild: Andreas Hempel / zerone)

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Die Hochschule Bochum hat mit Forschungskooperationspartner den Thyssenkrupp Blue.Cruiser vorgestellt – ein viersitziges Solar-Sportcoupé mit offizieller Straßenzulassung.

Zum dritten Mal fließt im Rahmen der Forschungskooperation die Technologiekompetenz des Thyssenkrupp-Konzerns mit in die Entwicklung ein. Noch nie steckten in einem Solar Car so viele Leichtbau-Elemente und automobile Hightech-Komponenten wie im neuen Fahrzeug der Hochschule Bochum. Der Werkstoff Stahl kommt in noch größerem Maße zum Einsatz, z.B. beim Überrollkäfig für die Fahrerkabine und bei den eigens für das Solar Car gefertigten Felgen, aber auch in Form der Rücksitzbank, die aus einem Stahl-Polymer-Sandwichmaterial gebaut wird. Daneben kommen Komponenten u. a. von Thyssenkrupp Bilstein, Thyssenkrupp Presta, Thyssenkrupp Magnettechnik, Thyssenkrupp Schulte und Thyssenkrupp Plastics zum Einsatz.

Der siebte Sonnenwagen aus Bochum versteht sich als Synthese aller bisher gebauten Modelle. Erstmals wurde die gesamte Karosserie des klassisch anmutenden Coupés samt Innenraum von einem Designstudenten gestaltet und modelliert. Die extra für den Blue.Cruiser erdachte Designsprache zieht sich von der dynamischen und markanten Silhouette bis hin in die kleinsten Details, wie etwa die Scheinwerfer oder die Abdeckungen der Seitenkameras. Über einen Zeitraum von 18 Monaten arbeitete dafür ein Graduate Student der Folkwang Universität der Künste in enger Kooperation mit den angehenden Ingenieuren aus Bochum zusammen.

Nachhaltigkeit im Fokus: Ananasleder als Sitzbezug

Die Effizienz und Alltagstauglichkeit hat der Thyssenkrupp Blue.Cruiser von seinen Vorgängern geerbt. Natur- statt Carbonfasern für die Oberflächen, für den Bezug der Sitze musste kein Tier seine Haut lassen. Hier kommt Piñatex, zu Deutsch Ananasleder, zum Einsatz, das aus den Fasern der Ananasblätter hergestellt wird. Auch alle anderen verwendeten Materialien kommen auf den ökologischen Prüfstand. Nachhaltigkeit wird zum Leitfaden der Fahrzeugentwicklung, ein völlig neuer Aspekt in der Forschungskooperation mit Thyssenkrupp. In diesem Zusammenhang erweist sich einmal mehr Stahl als innovativer Werkstoff, auch im Leichtbau.

Erstmals bietet ein Bochumer Sonnenwagen 4 Personen Platz. Die fahrerische Performance stellen vier selbst entwickelte Radnabenmotoren sicher. 5 Quadratmeter Solarzellen sorgen für die Energie aus der Sonne. Eine Steckdose zum Nachladen aus dem Netz gibt es aber auch, falls die Sonne mal nicht scheint.

World Solar Challenge: Strategie entscheidet Geschwindigkeit

Abstandswarner, Zentralverriegelung, Infodisplay, Sitzheizung, elektrisch-adaptives Fahrwerk– die Ausstattungsliste liest sich wie die eines komfortablen Sportwagens. Mit 120 km/h in der Spitze ist der Bochumer Renner dann zwar doch etwas langsamer als die mit traditionellen Verbrennungsmotoren fahrende Konkurrenz, für die Weltmeisterschaft der Solarcars im Herbst in Australien zählt aber die Effizienz für die 3.000 Kilometer lange Strecke und hier kann der Thyssenkrupp Blue.Cruiser deutlich mehr überzeugen. Nur wer ohne größere Pannen die 3.000 Kilometer von Darwin nach Adelaide überwindet, hat eine Chance, überhaupt in die Wertung zu kommen. Genauso wichtig ist die Strategie, die mit Hilfe einer eigens programmierten Software die optimale Geschwindigkeit ausrechnet. Wind und Sonnenschein beeinflussen das Ergebnis, aber auch die Streckenführung sowie notwendige Stopps und Überholvorgänge gehen mit ein in die Energiebilanzvorhersage, die ständig nachgeführt werden muss. Sechs Tage nach dem Start soll Adelaide zwischen 11 und 14 Uhr erreicht werden. Wer das nicht schafft, wird nicht gewertet. Über den Sieg entscheiden die Anzahl der mitgenommenen Personen und der Energieverbrauch. Die letzten Punkte werden im Ziel vergeben, wenn eine Expertenjury den deutschen Sonnenwagen unter die Lupe nimmt. (jup)

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