Inklusion

Gemeinsam statt einsam – Wie Roboter uns beim Arbeiten helfen

| Redakteur: Katharina Juschkat

Bei Ikas arbeiten die teils schwerbehinderten Mitarbeiter Hand in Hand mit dem Kollegen Roboter.
Bei Ikas arbeiten die teils schwerbehinderten Mitarbeiter Hand in Hand mit dem Kollegen Roboter. (Bild: Ludmilla Parsyak/Fraunhofer IAO)

Dem Menschen attraktive Aufgaben geben, statt ihn durch Roboter zu ersetzen - das ist die Devise des Forschungsprojektes Aquias. In einer kleinen Firma nahe Stuttgart wurde jetzt der erste Mensch-Roboter-Arbeitsplatz vorgestellt, der das konkret umsetzen will – und sogar auf die Bedürfnisse behinderter Mitarbeiter eingeht.

Ein Mitarbeiter setzt kleine Düsen auf eine Montageplatte. Auf die Düsen legt er einen Sieb. Später soll daraus ein Duschkopf werden. Dann schiebt er die Montageplatte über den Tisch. Ein Roboterarm holt sich die Platte, drückt die Siebe fest und schiebt sie wieder dem Mitarbeiter zu. Sie sind nur eine Armlänge voneinander entfernt, kein Schutzzaun trennt die Beiden.

Roboter hilft schwerbehinderten Menschen

Der Roboter ist Teil des Projekts Aquias. Das Projekt untersucht, wie die Arbeitsteilung zwischen Mensch und Roboter so gestaltet werden kann, dass die Mitarbeiter attraktive Aufgaben erhalten und nicht durch den Roboter ersetzt werden. Zudem betrachtet das Projekt, wie die Mensch-Roboter-Kooperation speziell schwerbehinderten Menschen helfen kann.

Um das in der Praxis zu testen, hat die Isak gGmbH einen Mensch-Roboter-Arbeitsplatz eingerichtet – mit dem Menschen ganz im Fokus. Isak ist ein Inklusionsunternehmen, das heißt, dass über 67 % der Mitarbeiter schwer behindert sind. Damit die Mitarbeiter trotz ihrer Behinderung eine attraktive Aufgabe erledigen können, wurde ein Arbeitsplatz mit Roboter eingerichtet. Der Roboter übernimmt die ergonomisch ungünstigen Aufgaben, die den Menschen belasten können. Abschließende Kontroll- und Prüfaufgaben bleiben Aufgabe des Menschen.

„Wir wollen den Menschen nicht ersetzen“

„Wir wollen nicht den Menschen ersetzen, das ist nicht Sinn unseres Projektes“, erklärt auch Andreas Müller, Betriebsleiter bei Isak. Sinn war es, einen Arbeitsplatz zu schaffen, der sich individuell an die Bedürfnisse der teils schwerbehinderten Mitarbeiter anpassen lässt – und mehr Mitarbeitern den Zugang zum Arbeitsplatz gewährt. Zuvor mussten die Mitarbeiter die Düsen mit einer Handhebelpresse montieren, was eine ergonomisch belastende Aufgabe war und von Mitarbeitern, die nur eine Hand benutzen können, nicht erledigt werden konnte.

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Das Projekt entstand zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA und der Robert Bosch GmbH. Der kollaborative Roboter Apas Assistant von Bosch arbeitet den Mitarbeitern unmittelbar zu. So gleicht er die unterschiedliche Reichweite der schwerbehinderten Mitarbeitenden beim Greifen aus. Außerdem benötigen die Beschäftigten aufgrund ihrer unterschiedlichen Einschränkungen individuelle Tischhöhen, die je nach aktueller körperlicher Verfassung im Tagesverlauf variieren können. Der Roboter kann sich problemlos an die Tischhöhe anpassen.

Sensoren sorgen für Sicherheit

Damit die Sicherheit am Arbeitsplatz in unmittelbarer Nähe zu einem Roboter gegeben ist, ist der Apas Assistant mit einer Sensorhaut ausgestattet, die aus 120 kapazitiven Sensoren besteht. Die überwachen den Arm und Endeffektor und erkennen, wenn sich ein Mensch nähert. Wird eine Entfernung von 5 cm unterschritten, stoppt der Arm noch bevor es zu einer Berührung kommt. Für den Arbeitsplatz mit behinderten Menschen erarbeitete Isak zusätzlich eine individuelle Risikoanalyse für jeden einzelnen Mitarbeiter.

Das Forschungsprojekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und vom Projektträger Karlsruhe betreut. Geförderte Partner des Verbundprojekts sind neben dem Fraunhofer IAO die Isak gGmbH, die Robert Bosch GmbH und das Fraunhofer IPA. (kj)

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