E-Antrieb

Flusszellentechnologie – Ein Durchbruch für die Elektromobilität?

| Redakteur: Katharina Juschkat

Elektromobilität wird flächendeckende Akzeptanz finden, wenn diese ohne Kompromisse in Leistung und Komfort nachhaltig und wirtschaftlich machbar ist. Aber kann Nano Flowcell diese Versprechen auch halten?
Elektromobilität wird flächendeckende Akzeptanz finden, wenn diese ohne Kompromisse in Leistung und Komfort nachhaltig und wirtschaftlich machbar ist. Aber kann Nano Flowcell diese Versprechen auch halten? (Bild: Walch/nanoFlowcell AG)

Das Unternehmen Nano Flowcell will auf dem Genfer Automobilsalon mit seiner Flusszellentechnologie ein Novum in der Elektromobilität vorstellen. Das Problem: Bisher fehlen die Fakten, um die bahnbrechende Technologie zu erklären.

Auf dem Genfer Automobilsalon will Nano Flowcell zeigen, dass eine sichere und umweltverträgliche Elektromobilität bereits heute machbar ist. Das Unternehmen hat laut eigenen Angaben die Flusszellentechnologie weiterentwickelt, bei der aus nicht brennbaren, nicht explosiven und gesundheitlich und ökologisch unbedenklichen Elektrolyten Energie gewonnen wird. Diese Flusszellen sollen nun ein Auto antreiben können, was eine Revolution für die Elektromobilität wäre.

Flusszellentechnologie soll die Elektromobilität alltagstauglich machen

Die Nano Flowcell-Antriebe in den Fahrzeugen Quantino und Quant FE wollen zeigen, dass Elektrofahrzeuge alles andere als bescheiden auftreten müssen. Mit einer Beschleunigung in 2,8 Sekunden auf 100 km/h und einer Spitzengeschwindigkeit von 280 km/h soll der Antrieb des Quant FE durchaus rennwagentauglich sein. Der Quantino wiederum demonstriert die Alltagstauglichkeit des Systems. Seine Fahrleistungen sind laut Nano Flowcell beachtlich, eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in unter 5 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h soll der Mittelklasse-Sportler schaffen. Mit Platz für vier Personen und einer Reichweite über 1000 km mit einer Tankfüllung soll der Quantino alltagstauglich sein. Und wo andere Elektrofahrzeuge derzeit aufhören – sei es in der Leistung, der Reichweite oder dem Platzangebot – wollen Quant FE und Quantino zeigen, dass es weiter, komfortabler und umweltgerechter geht.

Erstes serienreifes Niedervolt-Elektrofahrzeug mit Nano Flowcell-Antrieb

Elektromobilität

Erstes serienreifes Niedervolt-Elektrofahrzeug mit Nano Flowcell-Antrieb

08.02.16 - Nano Flowcell stellt auf dem Genfer Automobilsalon 2016 mit dem Quantino das erste Niedervolt-EV der Quant-Modellreihe der Öffentlichkeit vor. Im ersten Halbjahr 2016 sollen zudem weitere Vorserientests über eine mögliche Kleinserienproduktion entscheiden. lesen

Wie funktioniert die Flusszellentechnologie?

All das klingt beinahe zu gut, um wahr zu sein. Ein Elektroauto mit diesen Daten wäre tatsächlich ein revolutionärer Durchbruch in der Elektromobilität. Aber wie viel Wahrheit steckt in dem Wunderauto? Darüber hält sich das Unternehmen sehr bedeckt.

Im Februar 2016 erhielt der Quantino jetzt eine Straßenzulassung. Was gut klingt, ist noch kein Garant für die Funktionalität des Wagens. Wie der Blog Hzwei berichtete, hat der SGS-TÜV Saar einen Prototypen auf sicherheitsrelevante Details und basistechnische Ausstattung geprüft. Weiteres, etwa über die Funktionalität des Antriebs, konnte der TÜV aufgrund der Verschwiegenheitsverpflichtung gegenüber Dritten nicht mitteilen.

Laut dem Unternehmen gelang es, bei einem ersten Dauertest mit dem Quantino 14 Stunden ohne Unterbrechung zu fahren – die Fahrt musste aus Erschöpfung seitens des Fahrers unterbrochen werden, die beiden 159 Liter fassenden Elektrolyte-Tanks sollen noch zu 78 % gefüllt gewesen sein. Das wäre eine bislang nicht gekannte Ausdauer für ein rein elektrisch betriebenes Automobil. Was das Unternehmen aber weiter verschweigt, ist die Funktion seiner Flusszellentechnologie.

„Batterie-Elektrolytlösungen sind häufig umweltschädlich“

Dr. Peter Fischer, Gruppenleiter Redox-Flow-Batterie am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie, sprach mit dem Blog Hzwei über die Flusszellentechnologie: „Für den mobilen Einsatz besitzen die meisten Redox-Flow-Batterien zu geringe Energiedichten. Die aussichtsreichsten Systeme für den Einsatz im Fahrzeug sind hier Metall-Suspensions/Luft oder Metallionen/Luft-Systeme, weil man mit diesen Systemen potentiell die höchsten Energiedichten hinbekäme. Es gibt aber bisher wenige in der wissenschaftlichen Literatur veröffentlichte Systeme dieser Art, und die meisten der in diesen Veröffentlichungen publizierten Systeme wären nicht geeignet, ein Fahrzeug anzutreiben.“ Auch zu der Aussage von Nano Flowcell, der Antrieb sei umweltfreundlich, äußerte Dr. Fischer seine Zweifel: „Häufig sind die Batterie-Elektrolytlösungen als umweltgefährdend eingestuft, da es sich in der Regel um in Säuren oder Laugen gelöste Metallsalze handelt.“

Nano Flowcell bleibt einer Erklärung schuldig

Reichlich Unklarheiten herrschen also über die angeblich bahnbrechende Technologie des Unternehmens. Solange Nano Flowcell keine Fakten liefern kann, bleibt es bei Spekulationen, wann und ob die Flusszellenautos auf der Straße zu sehen sind.

„Mit der Nano Flowcell demonstrieren wir, dass Elektro-Automobilität nicht mehr bedeutet, Kompromisse machen zu müssen“, sagt derweil Nunzio La Vecchia, der Erfinder und Chief Technology Officer des Unternehmens. „Wir zeigen in Genf, dass die von uns entwickelte Technologie mehr als nur eine Alternative für unsere Mobilität und zu allen anderen Antriebskonzepten ist. Aus unsere Sicht ist das die Zukunft der Elektromobilität.“ Es bleibt abzuwarten, ob auf die hochtrabenden Worte auch Taten folgen. (kj)

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