Interview

Den größten Nutzen aus der Technischen Dokumentation ziehen

| Redakteur: Monika Zwettler

Die technische Dokumentation dient vor allem der Sicherheit.
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Die technische Dokumentation dient vor allem der Sicherheit. (Bild: Olivier Le Moal - fotolia.de)

Sinn und Zweck der Technischen Dokumentation ist u.a. die haftungsrechtliche Absicherung des Herstellers. Stefan Winkler, Geschäftsführer der Winkler GmbH, erzählt im Gespräch, wie sein Unternehmen dabei unterstützt.

Herr Winkler, Sie sind Experte auf dem Gebiet der Technischen Dokumentation. Erzählen Sie bitte ein bisschen über den Ursprung Ihres Unternehmens.

Ich selbst war zehn Jahre in der Konstruktion, vorwiegend im Sondermaschinenbau tätig. So wurde auch die Winkler GmbH 1990 zunächst als Konstruktionsbüro gegründet. Über die gesetzlichen Anforderungen, als die Maschinenrichtlinie 1995 in Kraft getreten ist, sind wir schließlich in die Technische Dokumentation hineingewachsen. Viele Jahre war ich selbst in der Konstruktion tätig. Was mein persönliches Steckenpferd CE-Kennzeichnung angeht, kann ich mich mit den Konstrukteuren gut verständigen. Wenn Sie technische Produkte oder Anlagen verständlich machen wollen, wird Verständnis für Technik gebraucht.

Dann begleiten Sie Ihre Kunden also schon bei der Konstruktion?

Ja. In der Praxis sieht es oft so aus, dass Unternehmen etwas herstellen und verkaufen. Irgendwann kommt die Erkenntnis: Ach, wir haben da ja noch was zu tun! Häufig beobachte ich, dass die Unternehmen relativ unbedarft und blauäugig Produkte entwickeln und auf den Markt bringen. Die Produktsicherheit und die Dokumentation werden häufig viel zu spät beachtet..

Was hat das für Folgen?

Ein hoher nachträglicher Aufwand, erhöhte Kosten, oft unzufriedene Kunden oder Mängel bei Sicherheitsstandards. Gelegentlich halten Kunden sogar Restzahlungen wegen fehlender oder unvollständiger Dokumentationen zurück. In Folge ist ganz viel Arbeit zu leisten, die nicht nötig wäre, wenn die Anforderungen bereits bei der Entwicklung bedacht worden wären. Leider kommt das im Maschinen- und Anlagenbau häufig vor.

Ab welchem Zeitpunkt sollte also an die Dokumentation gedacht werden?

Ich vergleiche das gerne mit unserem täglichen Leben: Wenn ich Auto fahren möchte, ist der Führerschein die Grundvoraussetzung. Für die Produktentwicklung gibt es auch öffentlich-rechtliche Regularien, die in erster Linie den Bereich Sicherheit abdecken. Zudem gibt es im europäischen Wirtschaftsraum die Eigenverantwortung des Herstellers, was für ihn genug Motivation sein sollte, seine Produkte so zu entwickeln, dass sie sicherheitsgerecht sind, was er nachweisen können muss. Dazu zählt, dass er den sicheren Gebrauch seiner Produkte mit einer Gebrauchsanleitung unterstützt.

Aber die werden doch nicht gelesen, oder?

Natürlich. Eine Dokumentation ist keine Belletristik, kein Roman, den man abends mit ins Bett nimmt. Aber auch hier möchte ich gerne ein Beispiel aus dem Alltag anführen: Selbst bei einfachen Produkten muss mal was nachgeschlagen werden – wie war denn das, wie geht denn das? Wenn die Uhr im Auto zweimal im Jahr umgestellt werden soll, nimmt man sich die Gebrauchsanleitung doch gerne zu Hilfe.

Der Idealfall ist, wenn wir als Partner für die technische Dokumentation die wesentlichen Entwicklungsschritte begleiten dürfen. Insbesondere der Mittelstand tut sich damit schwer. Man redet sich oft raus: Na ja, die großen Industrieunternehmen, die können sich das ja leisten. Aber am Ende fragt der Gesetzgeber nicht, ob sie es sich leisten konnten, den Führerschein zu machen oder die entsprechenden Sicherheitsbetrachtungen zu machen. Er verlangt es einfach! Oder der Kunde sagt: Das reicht mir nicht! Schließlich kommt er auch selbst in die Haftung und muss den sicheren Betrieb von Maschinen oder Anlagen gewährleisten. In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns.

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