Additive Fertigung

Dank 3D-Druck bequem sitzen und arbeiten

| Redakteur: Dorothee Quitter

Die maßgefertigte Armlehne für den Fahrersitz einer Straßenbahn der Stadtwerke Ulm wird mittels 3D-Druck nach Bedarf produziert.
Die maßgefertigte Armlehne für den Fahrersitz einer Straßenbahn der Stadtwerke Ulm wird mittels 3D-Druck nach Bedarf produziert. (Bild: Stratasys)

Siemens Mobility fertigt mit der Stratasys-FDM-3D-Drucktechnologie individuelle Produktionsteile für Straßenbahnen, um die Produktion von Einzelstücken zu erweitern.

Siemens Mobility, mit Standorten in Erlangen, Krefeld, Berlin und München, entwickelt Mobilitätslösungen für den Nah-, Fern- und Güterverkehr. Vor dem Einsatz der 3D-Drucktechnologie in der Produktion stand Siemens Mobility vor der großen Herausforderung, die zunehmende Nachfrage nach maßgefertigten Einzelstücken zu befriedigen.

Für die Schienenverkehrsindustrie bedeutete dies: War ein Ersatzteil nicht vorrätig, musste Siemens Mobility erst die Maschinen oder Werkzeuge anschaffen, die zur Herstellung des Teils benötigt wurden. Dieser Prozess ist nicht nur langwierig, sondern auch kostenintensiv. Hinsichtlich der Herstellungskosten rechnen sich solche Projekte nur dann, wenn Siemens Mobility Aufträge an bauteilspezifische Mindestbestellmengen koppelt, damit die Kleinserienfertigung die Produktionskosten rechtfertigen.

„Vor der Integration des 3D-Drucks in die Produktion konnten wir aus Kostengründen oft nur Aufträge für größere Serien annehmen. Bei geringerem Bedarf des Kunden, haben wir die überschüssigen Teile gelagert, bis sie benötigt wurden oder veraltet und daher nicht mehr zu gebrauchen waren. Mit der FDM-Anlage Fortus 900mc können wir jetzt ein Design haargenau nach den Kundenvorgaben entwickeln und vor dem 3D-Druck noch mehrmals optimieren. Dadurch hat sich unsere Produktionszeit von Wochen auf nur wenige Tage verringert, sodass wir jetzt individuelle Einzelteile in geringen Stückzahlen auf kostengünstige Weise fertigen können“, erklärt Tina Eufinger, Business Development des Geschäftsbereichs Siemens Mobility.

Brandschutzkonforme Materialien

Diese kosteneffiziente Art der Einzelstückfertigung kommt unter anderem bei den Aufträgen zur Geltung, die Siemens Mobility für die Stadtwerke Ulm (SWU Verkehr GmbH) ausführt. Zu den Teilen, die mit dem 3D-Drucker hergestellt werden, gehören individuell gefertigte Armlehnen für Fahrersitze sowie Kupplungsschürzen.

Neben dem möglichen Druck von größeren Produktionsteilen auf der Fortus 900mc schätzt Siemens Mobility insbesondere die FST- und brandschutzkonformen Leistungsmerkmale der synthetischen Materialien von Stratasys. Dadurch kann Siemens Mobility die im 3D-Druck erstellten Bauteile nach gängigen Normen testen, um dann die leichten und robusten Teile nach Beschichtung und Lackierung direkt in die Ulmer Straßenbahnen einzubauen.

Neue Geschäftsmodelle durch 3D-Druck

Der Geschäftsbereich Mobility von Siemens bietet nicht nur im 3D-Druck hergestellte Teile für Kunden in der Transportbranche, sondern hat auch seinen Service für Kunden erweitert, die jetzt im 3D-Druck maßgefertigte Teile auf einer Online-Plattform bestellen können. Kunden, die Ersatzteile benötigen oder Änderungen an vorhandenen Teilen vornehmen müssen, können diese heute online anfragen und sie anschließend für den 3D-Druck bei Siemens Mobility in Auftrag geben und bestellen. Auf diese Weise ist ein neues Geschäftsmodell für die On-Demand-Teilefertigung entstanden – nach den individuellen Spezifikationen des Kunden und zu dem von ihm gewünschten Zeitpunkt.

„Siemens ist ein Beispiel dafür, wie sich dank 3D-Druck die Produktion geringer Stückzahlen nach Maß lohnen kann – in diesem Fall nicht nur für den Hersteller, sondern auch für den Endkunden aus der Bahnindustrie“, erklärt Andy Middleton, President, Stratasys EMEA. „Durch die Möglichkeit der individuellen Fertigung und des bedarfsgerechten 3D-Drucks können ganze Lieferketten neu definiert werden, da unnötige Lagerbevorratung vermieden werden kann. Verkehrsunternehmen können nun enger mit den Herstellern zusammenarbeiten, um die Teile, die mit dem 3D-Drucker gefertigt werden, nach Bedarf mitzugestalten und zu optimieren. So wird gewährleistet, dass die Züge betriebsbereit sind und der öffentliche Schienenverkehr reibungslos funktioniert.“ (qui)

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